Wiener Akademikerball und Gegenproteste

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Auch in diesem Jahr veranstaltete die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) den sogenannten Akademikerball in der Wiener Hofburg. Rund 1000 Ballgäste wahren in diesem Jahr gekommen, darunter Burschenschaftler, zahlreiche FPÖ Politiker*innen und Pegida Führungspersonen. In der Wiener Innenstadt demonstrierten gleichzeitig mehr als 8000 Wiener*innen gegen das rechte Vernetzungstreffen in der Hofburg.

Wie in den letzten Jahren hatte die Polizei für den Bereich rund um die Hofburg ein Platzverbot ausgesprochen, um Blockaden und Ausschreitungen zu verhindern. Nur mit einer Presseakkreditierung oder einem speziellen Anwohner*innenausweis durfte man sich hier noch aufhalten.

Währen die ersten Ballbesucher*innen an der Hofburg eintrafen, formierte sich gleichzeitig am Schottentor eine Gegendemonstration. Nach einer Kundgebung mit mehreren Redner*innen hatte sich eine beachtliche Anzahl Antifaschist*innen eingefunden und mehrere Blöcke gebildet. Die Polizei sprach später von 5000 Demonstrant*innen, die Veranstalteter*innen von rund 10.000 Teilnehmer*innen.

29.01.16 Wiener Akademikerball
Mehr als 5000 Wiener*innen demonstrierten gegen den Wiener Akademikerball

Langsam und noch etwas träge wirkte die Demonstration zu Beginn, was sich jedoch an der nächsten Straßenkreuzung ändern sollte. Denn hier zündeten die ersten Demonstrant*innen bengalischer Lichter und Feuerwerk erhellte im Hintergrund den Himmel. Die Polizei setzte nun ihre Helme auf und begleitete die Demo fortan im Spalier.

Abgesehen von kleineren Rangeleien mit der Polizei und sporadisch gezündeter Pyrotechnik, verlief die Demonstration friedlich. Zur Belustigung der Demonstrant*innen sorgte eine Gruppe von Democlowns, die die Polizei auf Trab hielt. Diese wirkte überfordert und wusste sich nur noch damit zu helfen, die Clowns mit Einsatzschildern immer wieder zurück in die Demonstration zu drängen.

29.01.16 Wiener Akademikerball
Während der Demonstration wurden mehrfach bengalische Lichter gezündet.

Blockadeversuche am Ballhausplatz

Nach der Demonstration liefen vereinzelte Grüppchen vom Museumsquartier in Richtung Hofburg. Am Ballhausplatz versuchten rund 100 Personen die Taxis einiger Ballbesucher*innen zu blockieren, was ihnen auch erfolgreich gelang. Die Polizei drängte die Demonstrant*innen hier immer wieder zurück und forderte die Taxifahrer auf, umzudrehen und die Ballgäste auf anderem Weg zur Hofburg zu bringen. Ein weiterer Ballgast stieg wutentbrannt aus seiner Edelkarosse und forderte die Polizei auf, sie solle doch mal etwas gegen die Sitzblockierer*innen unternehmen. Ein Demonstrant entgegnete, er solle lieber wieder in sein Auto einsteigen. Die Situation vor Ort war angespannt, auch die Polizei begann die Blockierenden immer aggressiver zur Seite zu stoßen. Am Ende konnte am Ballhausplatz kein Ballbesucher*innen in die Hofburg gelangen.

Ein Ballgast echauffiert sich über die Demonstrant*innen die sein Auto blockieren
Ein Ballgast echauffiert sich über die Demonstrant*innen die sein Auto blockieren

An der Herrengasse versuchte laut Zeugenaussagen eine Kleingruppe Neonazis Antifaschist*innen mit Pfefferspray zu attackieren. Bei der Auseinandersetzung verlor einer der Neonazis dabei seinen Schuh und musste ohne diesen den Heimweg antreten. Die Polizei nutzte den Angriff der Neonazis, um Personen, die an einer Kundgebung vor dem Café Central teilnahmen, einzukesseln. Hier kam es zu mehreren Festnahmen. Als die Polizei dort zwei Kessel zusammenführen wollte kam es zum Schlagstockeinsatz durch die Beamt*innen, die die Demonstrant*innen vor sich her trieben. Nach etwa einer halben Stunde wurden sämtliche Personen aus dem Kessel entlassen und die Kundgebung war beendet.

Kurz nach dem Schlagstockeinsatz am Cafe Central
Kurz nach dem Schlagstockeinsatz am Cafe Central

Die Autonome Antifa Wien hatte im Vorfeld zu den Protesten ein ernüchterndes Statement veröffentlicht, warum sie sich in diesem Jahr nicht aktiv an der Mobilisierung beteiligt hatte. Für sie hat der Ball nicht mehr die Vernetzungsfunktion der extremen Rechten wie in der Vergangenheit. Der FPÖ konnte durch die Proteste nicht geschadet werden, wie an den erschreckenden aktuellen Wählerumfragen zu sehen ist. Die FPÖ erreicht ca. 30% der Stimmen. In einer Zeit, in der fast jeden Tag irgendwo eine rechte Demonstrationen stattfindet oder ein Flüchtlingsheim brennt, sieht die Autonome Antifa Wien nach eigenen Angaben wichtigerer Betätigungsfelder als die eigenen Kräfte in der Mobilisierung gegen den Wiener Akademikerball zu binden.

Zu den Ballbesuchern zählten auch Aktivisten aus dem Pegida Umfeld. Dabei waren Tatjana Festerling (Pegida Dresden), Ester Seitz (Widerstand Ost/West) und Susanne Andrea H. (Pegida Bregenz, FPÖ).

Insgesamt gab es 9 vorläufige Festnahmen und 14 Polizist*innen wurden im laufe des Abends leicht verletzt. Im Rückblick auf die letzten Jahre verliefen die Proteste diesmal ohne nennenswerte Ausschreitungen und Blockaden. Die Polizei war mit 2800 Beamt*innen im Einsatz und setzte in diesem Jahr vermehrt Videotechnik ein. In der Vergangenheit hatte es Berichte und Kritik zu Übergriffen durch Polizeikräfte gegeben.

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