Tag der deutschen Zukunft in Goslar

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02.06.18 Goslar - Tag der deutschen Zukunft

Lediglich 260 Teilnehmer*innen konnte die extreme Rechte zum 10. Tag der deutschen Zukunft nach Goslar mobilisieren. Tausende demonstrierten in der Goslarer Innenstadt gegen den Neonazi-Aufmarsch.

Der Tag der deutschen Zukunft (TddZ) gilt als das größte Vernetzungstreffen der deutschen Neonazi-Szene und findet jährlich an einem anderen Ort statt. In diesem Jahr wurde die Veranstaltung vom „Großkreisverband Süd-Ost-Niedersachsen“ der Partei Die Rechte ausgetragen. Der Verband hatte die Organisation nach der Auflösung des Kollektiv Nordharz übernommen.

Im Vorfeld warben die Neonazis mit Infoständen auf extrem Rechten Veranstaltungen für den TddZ in der „Reichsbauernstadt“ Goslar. Als „Reichsbauernstadt“ wurde Goslar während der Zeit des Nationalsozialismus bezeichnet. Doch Mobilisierungskundgebungen und -demonstrationen zogen nur wenige Teilnehmer*innen an oder wurden ganz abgesagt.

Die gescheiterte Mobilisierungskampagne machte sich in Goslar sichtlich bemerkbar. Mit 260 Personen sank die Anzahl der Teilnehmer*innen im Vergleich zum Vorjahr nochmals. In Karlsruhe hatten 2017 etwa 300 Aktivist*innen am TddZ teilgenommen.

02.06.18 Goslar - Tag der deutschen Zukunft
Etwa 260 extrem Rechte Aktivist*innen kamen zum 10. Tag der deutschen Zukunft nach Goslar

„Große Reden“ im kleine Kreis

Als Redner traten bei der Kundgebung „gegen Überfremdung“ neben dem Organisator des TddZ, Joost Nolte, der stellvertretende Bundesvorsitzende der NPD Thorsten Heise und der Bundesvorsitzende der Partei Die Rechte Sascha Krolzig auf. Anschließend zogen die extrem rechten Demonstrant*innen mit schwarz-weiß-roten Fahnen bestückt und in Dreierreihen marschierend durch den Ort. Die kurze Route führte die Neonazis durch die schmalen Straßen eines Wohngebiets.

Bei der Abschlusskundgebung am Bismarckdenkmal trug der ehemalige Kader der verbotenen Kameradschaft Besseres Hannover, Benjamin Krüger, die Rede von Dieter Riefling vor. Dieser hatte, wie so oft, von der Versammlungsbehörde ein Redeverbot erhalten. Der Düsseldorfer Neonazi Sven Skoda schwadronierte, dass er keine Fremden hassen würde und äußerte in Bezug auf deutsche Politiker: „Das sind die Leute, die wir ausmerzen wollen!“.

Auf dem Weg zum Bahnhof zeigte der Neonazi Marcel K. direkt vor einer Polizeiabsperrung den verbotenen Hitlergruß und wurde daraufhin vorläufig festgenommen.

02.06.18 Goslar - Tag der deutschen Zukunft
Der Düsseldorfer Neonazi Sven Skoda während seiner Rede

Unbekannte blockieren Bahnstrecke

Mit zwei Stunden Verspätung begann die Kundgebung der Neonazis unweit des Bahnhofs. Am Vormittag hatten Unbekannte die Bahnstrecke zwischen Halberstadt und Goslar mit einem brennenden Reifen und einer Betonkonstruktion blockiert. Die Anreise einer größeren Gruppe Neonazis wurde dadurch erheblich verzögert.

Polizei fährt Großaufgebot auf

Die Polizei war an diesem Tag mit 2000 Beamt*innen im Einsatz. Wasserwerfer und Räumpanzer standen bereit, um den Neonazi-Aufmarsch abzusichern. Die Route der Neonazis wurde bereits am frühen Morgen großräumig abgeriegelt. Pressevertreter*innen mussten endlose Kontrollen und Durchsuchungen über sich ergehen lassen.

Zwei Gegenkundgebungen waren von der Stadt Goslar verboten worden, wodurch sich der Gegenprotest auf den Bahnhof beschränkte. Busse mit denen Antifaschist*innen anreisten wurden am Morgen durch die Polizei kontrolliert. Andere Gegendemonstrant*innen teilweise mehrere Stunden eingekesselt. Etwa 3000 Menschen zogen am Vormittag durch die Goslarer Innenstadt. Ein Protest in Hör- und Sichtweite des Neonazi-Aufmarschs war fast nicht möglich. Der 11. Tag der Deutschen Zukunft soll 2019 in Chemnitz stattfinden.

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