Tag der deutschen Zukunft in Dortmund

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Zum 8. Mal trafen sich am 04. Juni Neonazis aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland zum Tag der deutschen Zukunft in Dortmund. In diesem Jahr nahmen etwa 900 Neonazis aus nahezu allen rechtsextremen Parteien an der Demonstration teil. Die Polizei hatte ein Aufgebot von rund 3700 Polizist*innen inklusive Wasserwerfern, Hunde- und Reiterstaffel aufgefahren.

Bereits am Vormittag trafen sich Antifaschist*innen an der U-Bahnstation Hafen, um gemeinsam in Richtung der Aufmarschstrecke der Neonazis zu laufen. Die Route war erst wenige Stunden vor der eigentlichen Demonstration bekannt gegeben worden, um Blockaden zu verhindern. Schon am Hafen versuchte die Polizei die Demonstrant*innen aufzuhalten und drängte aggressiv unter Einsatz von Schlagstöcken in den antifaschistischen Protest. Als ein Vorankommen unmöglich schien, machte man kehrt und versuchte über eine andere Route in Richtung Dorstfeld zu gelangen. An der Ecke Sunderweg/Treibstraße hatte die Polizei jedoch zahlreiche Beamt*innen zusammen gezogen und den Weg mit Fahrzeugen versperrt. Schnell wurde die Demonstration Blockado zum ersten Mal an diesem Tag eingekesselt.

04.06.16 Dortmund - Tag der deutschen Zukunft
Die Polizei wusste nicht so recht wie sie auf die Spiegelwürfel reagieren sollte

Als die Demonstrant*innen begannen, eine Kette aus sogenannten Spiegelwürfeln aufzubauen, setzte die Polizei ohne Vorwarnung Pfefferspray ein und stürmte erneut in die Demonstration. Zahlreiche Spiegelwürfel wurden den Demonstrant*innen entrissen und kurzerhand durch Polizeibeamt*innen zerstört. Im Nachgang behauptet die Polizei „linksautonome Gewalttäter“ hätten die Spiegelwürfel als sogenannte Schutzbewaffnung verwendet und begründete damit das rabiate Vorgehen.

04.06.16 Dortmund - Tag der deutschen Zukunft
Demonstrant*innen und die sogenannten Spiegelwürfel

Zeitgleich hatten mehrere hundert Antifaschist*innen den Bahnhof in Dorstfeld blockiert, um die Anreise der Neonazis zu verhindern. Die Blockade wurde jedoch von der Polizei geräumt, so dass die Versammlung der Neonazis um 14:30 Uhr beginnen konnte. Diese hatten im Vorfeld ein Transparent mit der Aufschrift „HTLR“ in Dorstfeld aufgehängt, um ihrem Mythos vom „Nazikiez“ Ausdruck zu verleihen. Zusätzlich hatte man zahlreiche Aufkleber im Viertel verklebt, auf denen zur Teilnahme am Tag der deutschen Zukunft aufgerufen wurde.

Die Polizei hatte die Demonstrationsroute massiv abgeriegelt. Teilweise wurden Hamburgergitter mit Stacheldraht bestückt, wie zuletzt bei der EZB Eröffnung gesehen. Die Demonstration selbst wurde von mehreren Wasserwerfern, Hunde- und Reiterstaffel begleitet. Ein Gegenprotest in Hör- und Sichtweite war nur an wenigen Punkten möglich. Nach wenigen hundert Metern wurde die Demonstration der Neonazis jedoch zum ersten Mal gestoppt, weil sich zahlreiche Demonstrant*innen vermummt hatten. Mehrere Teilnehmer*innen trugen T-Shirts mit Abkürzungen wie „HKNKRZ“ und „NTNL SZLST“ die den Nationalsozialismus verherrlichen.

Die Zwischenkundgebung hielten die Neonazis in Huckarde direkt neben dem Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus ab. Hier fiel besonders die Rede von Thorsten Heise (Stellv. NPD Landesvorsitzender Thüringen) auf, der behauptete, es wären mehr Menschen im Konzentrationslager Buchenwald nach dem Krieg als während der Zeit des Nationalsozialismus gestorben.

04.06.16 Dortmund - Tag der deutschen Zukunft, Thorsten Heise
Thorsten Heise (Stellv. NPD Landesvorsitzender Thüringen)

Zu den weiteren Rednern zählten: Claus Cremer (NPD NRW Landesvorsitzender) Sven Skoda, Klaus Schäfer (ehemaliger Dortmunder Feuerwehrchef), ein Sprecher des Bulgarischen Nationalbundes, Michael Brück (Stellv. NRW-Landesvorsitzender Die Rechte, Stadtrat Dortmund) und Christian Worch (Die Rechte).

Weiter verlief die Demonstration zum S-Bahnhof Huckarde, wo die Polizei kurzerhand eine S-Bahn anhielt, um die Neonazis zum Bahnhof zu befördern. Diese stimmten daraufhin den „erfolgreichen Demonstrationsverlauf“ feiernd das „U-Bahnlied“ an.

04.06.16 Dortmund - Tag der deutschen Zukunft
Die Neonazidemonstration

Ehemalige Combat 18 Mitglieder unter den Demonstranten

Unter den Demonstrant*innen befanden sich auch mehrere Personen, die zur ehemaligen Dortmunder Combat 18 (Kampfeinheit Adolf Hitler) Gruppe zählten, darunter Marko Gottschalk und Robin Schmiemann. Die Gruppe beschaffte sich mehrere illegale Waffen und richtete sich ideologisch an den Turner-Diaries aus.

Gottschalk ist zusätzlich Mitglied der Rechtsrockband Oidoxie, aus deren Umfeld sich die spätere C18 Gruppe entwickelte, und zeitweise Schlagzeuger der Band Weisse Wölfe. Vorbilder der Band Oidoxie sind nach eigenen Angaben Ian Stuart (Blood and Honour Gründer, Skrewdriver) und Rudolf Heß (Stellv. Adolf Hitlers).

2007 schoss Schmiemann bei einem Überfall auf einen Supermarkt in Dortmund einen Migranten nieder und wurde dafür im darauffolgenden Jahr zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt. Sein Auftritt beim Tag der deutschen Zukunft war damit wohl eine der ersten Demonstrationen nach seiner Haftentlassung. Wie 2013 bekannt wurde, unterhielt Robin Schmiemann zusätzlich Briefkontakt zur Angeklagten im NSU Prozess Beate Zschäpe.

04.06.16 Dortmund - Tag der deutschen Zukunft
Fronttransparent der Demonstration

Neonazis randalieren in Dorstfeld

Während die Neonazi Demonstration tagsüber weitestgehend ohne größere Zwischenfälle verlief, eskalierte die Lage am Abend in Dorstfeld. Nachdem die Polizei die Personalien von mehreren Personen aufnehmen wollte, die zuvor Pyrotechnik gezündet hatten, attackierten diese die Beamt*innen mit Feuerlöschern und Reizgas. Weitere 60 Neonazis eilten der Gruppe zur Hilfe und beteiligten sich an der Auseinandersetzung, bei der ein Polizeibeamter verletzt wurde.

Zu den weiteren Teilnehmer*innen zählten: Melanie Dittmer (Identitäre Aktion, Freundeskreis Rhein-Sieg), Simone Hohensee (Mönchengladbach steht auf), Marvin Krispin, Sascha Johnson (Nationaler Widerstand Duisburg), Thomas Eckleder (Nationaler Widerstand Duisburg), Kurt Schöfisch (NPD) Manfred Breidbach (Die Rechte) Rene Laube (ehemals Kameradschaftsführer Kameradschaft Aachener Land), Detlev Michalek (Nationaler Widerstand Duisburg, Gemeinsam Stark Deutschland e.V) Philipp Hasselbach, (Bayerischer Landesvorsitzender Die Rechte), Dan Eising (Die Rechte KV Nürnberg) und Markus Walter (Kreisvorsitzender Die Rechte Rhein-Erft-Kreis).

Insgesamt berichteten die Demosanitäter*innen am Abend von 150 verletzten Personen durch Pfefferspray und mehreren Frakturen und Prellungen. Während den Neonazis den ganzen Tag über größtmöglicher Spielraum ermöglicht wurde, war der antifaschistische Gegenprotest ständigen Schikanen, Auflagen und Kriminalisierungsversuchen ausgesetzt. Die Polizei hat damit einen der größten Naziaufmärsche in Dortmund durchgesetzt. Der im Vorfeld heraufbeschworene Mythos vom randalierenden Mob „linksextremer Gewalttäter“ blieb aus.

Der nächste Tag der deutschen Zukunft soll im nächsten Jahr in Karlsruhe stattfinden.

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