Pegida München – Suche nach den Brandstiftern

Artikel und Bildergalerie

Der montägliche Pegida „Spaziergang“ am 4. April startete auch in dieser Woche vor dem Reiterdenkmal am Odeonsplatz. Obwohl der Brandanschlag auf das Pegida Auto die Gemüter erhitzt hatte, kamen lediglich rund 150 Pegida Teilnehmer*innen. Auf der Gegenseite demonstrierten weit über 300 Münchner*innen.

Hauptthema der Redebeiträge war in dieser Woche, wie zu erwarten, der „Brandanschlag“ auf das Pegida München Auto in der Nacht vom 28. März, bei dem das Fahrzeug nahezu vollständig zerstört wurde. Pegida hat in der Zwischenzeit ein neues Fahrzeug beschafft, das nach Pegida-Angaben ein ehemaliges ausgemustertes Polizeifahrzeug ist. Obwohl es keine Hinweise auf die Täter*innen gibt, sind die „geistigen Brandstifter*innen“ für die Pegida Redner längst klar.

Wahlweise sind es Mitglieder des a.i.d.a.-Archivs, die Leiterin der Fachstelle gegen Rechtsextremismus Miriam Heigel, die Facebookseite München Nazifrei oder der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) höchst persönlich.

Auf der Pegida Bayern Seite geht der Autor “Philolaos“ noch weiter. Er nennt einen konkreten Autor der Plattform Endstation Rechts, der „durch Desinformation den Boden“ für das brennende Auto geliefert haben soll.

Abgerundet wurden die Vermutungen und das wilde Rätselraten rund um die Täter*innen und ihre Motive mit Ausschnitten einer „Dokumentation“, die der ehemaligen Landesvorsitzende der rechtspopulistischen Partei Die Freiheit, Christian Jung, erstellt und veröffentlicht hat. Darin will Jung die „Verstrickungen“ zwischen „linksextremen Demonstrant*innen“ rund um den G7-Gipfel und ihre Finanzierung durch staatliche Stellen auf pseudo-investigative Weise aufdecken.

04.04.16 München - Pegida München
Pegida München Kundgebung vor dem Reiterdenkmal

Ein weiterer Redner Namens Stefan sprach über die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, kurz VVN-BdA, und die Erwähnung des Vereins im Verfassungsschutzbericht. Im Anschluss las er eine lange Unterstützerliste des Vereins vor, um angebliche Verbindungen zwischen Lokalpolitiker*innen und der „Linksextremen Szene“ aufzuzeigen.

Diesmal nahm auch der ehemalige NPD Funktionär Markus Walter an der Demonstration teil. Bis zum Jahr 2015 war er NPD-Rats- und Kreistagsherr in Verden, musste jedoch nach seinem Umzug in den Rhein-Erft-Kreis sein Mandat zurück geben. Dort führt er seitdem den Kreisverband der rechtsextremen Partei Die Rechte an. Im Januar 2015 wurde Walter für einen Anschlag auf eine Moschee in Rheinfelden (Baden-Württemberg) verurteilt.

04.04.16 München - Pegida München, Markus Walter, Lukas Bals
V.l.n.r. Lukas Bals (ehemals Die Rechte, Pegida München Ordner), Markus Walter (Die Rechte, ehemals NPD)

Die anschließende Demonstration zog am Platz der Opfer des Nationalsozialismus vorbei in Richtung Karolinenplatz. Es kam zu zahlreichen kleineren und größeren Blockadeversuchen während der gesamten Demonstration. An der Ecke Max-Joseph Straße Maximiliansplatz gelang es Gegendemonstrant*innen die Straße auf der gesamten Breite zu blockieren, so dass Pegida einen Umweg über die Ottostraße nehmen musste.

Das USK stürmte wie bereits in den vergangen Wochen immer wieder mit Kampfgeschrei auf kleineren Sitzblockaden und räumte diese mit brachialer Gewalt ohne jegliche Aufforderung. Zusätzlich setzte die Polizei in dieser Woche vermehrt zivile Kräfte ein, die sich ohne Kennzeichnung immer wieder inmitten des Gegenprotestes aufhielten.

04.04.16 München - Pegida München
Sitzblockade ecke Max-Joseph Straße Maximiliansplatz

Heinz Meyer übernimmt alleinige Pegida Führung?

Zu beobachten ist, dass die früheren Hauptpersonen der Pegida Aufmärsche immer weiter in den Hintergrund rücken. So kündigte Heinz Meyer in der letzten Woche an, Birgit Weißmann wäre in Zukunft für Pegida international unterwegs und stände Pegida München nicht mehr zur Verfügung.

Auch Stefan Werner (Pro Deutschland, früher NPD), der in der Vergangenheit regelmäßig die „Lügenpresse des Monats“ wählen lies, tritt immer seltener als Redner auf. Und der dritte Pegida München Vorstand, Ferdinand Sander verlies noch vor der Demonstration die Versammlung. Heinz Meyer übernimmt jeden Montag die Moderation der Kundgebungen und zeigt in eigenen Redebeiträgen seine generelle Ablehnung des muslimischen Glaubens.

Zusätzlich nahmen an der Pegida Demonstration mindestens fünf Aktivist*innen der neonazistischen Partei Der III. Weg teil, darunter der verurteilte Rechtsterrorist Thomas Schatt. Zu den weiteren Teilnehmer*innen zählten: Dorothea Hohner (Pegida München Rednerin), Renate Werlberger (NPD KV München), Petra K. (Brigade Giesing), Vince H. (Neonazistischer Multiaktivist: Die Rechte, Der III. Weg, NPD und Pegida München) und „Heinz Simon“, der die AfD Veranstaltung in Geretsried am 12.03.15 moderiert hatte.

Bildergalerie: