Pegida München – Sammelbecken der Extremisten

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Am Montag den 11. April marschierte Pegida München mit knapp über hundert Teilnehmer*innen lediglich die Ludwigstraße entlang. Dennoch kam es zu mehreren Blockaden durch Gegendemonstrant*innen, die von der Polizei geräumt wurden.

Heinz Meyer, stolz darauf herausgefunden zu haben, dass es auch in Israel rechte Politiker*innen gibt, zitierte diese wie in der letzten Woche und bezeichnete die Gegendemonstrant*innen als „die nützlichen Idioten von der Antifa“. Im Anschluss kündigte er den ersten Redner Alfred Röck (Club Voltaire 1994) an mit den Worten „Er ist immer witzig, Er ist immer spritzig!“.

Zum Einstieg spielte Röck auf seiner Klarinette „Die Gedanken sind frei“, um wohl dem Trompeter auf Seiten der Gegendemonstrant*innen Konkurrenz zu machen. Er traf dabei jedoch gefühlt nur jeden dritten Ton. Seine folgende Rede war von ständigem „Hallo Links!“-Gebrülle und sexistischen Anspielungen geprägt. Anschließend wollte Heinz Meyer beweisen, dass eine politisch linke Einstellung „Patriotismus nicht ausschließt“. Als Beweis führte er unteranderem den KPD Vorsitzenden Ernst Thälmann an, der auch in der „Linken“ mehr als umstritten ist.

11.04.16 München - Pegida München, Alfred Röck
Alfred Röck (Club Voltaire 1994)

Die Rechte und Der III. Weg Funktionäre unter den Demonstrant*innen

Wie in der letzten Woche befanden sich unter den Demonstranten auch die Die Rechte Kader Markus Walter (Kreisvorsitzender Die Rechte Rhein-Erft-Kreis) und Lukas Bals (Die Rechte KV Wuppertal), die diesmal von Tobias Roidl (Stellv. Kreisvorsitzender Die Rechte KV München) begleitet wurden. Begrüßt wurden alle drei von Karl-Heinz Statzberger (Der III. Weg Stützpunktleiter München, verurteilter Rechtsterrorist) und führten später zeitweise die Demonstration an.

Der ehemalige Antifaschist Bals lief 2012 zur Neonazi-Szene über. Bekannt wurde dies durch einen brutalen Überfall auf Antifaschist*innen, an dem Bals beteiligt war. 2014 hatte Bals am Kommunalwahlabend mit weiteren Die Rechte Aktivist*innen versucht das Dortmunder Rathaus zu stürmen. Dabei schlug er einer Piratenpolitikerin mit der Faust ins Gesicht und wurde zu einer Geldstrafe von 3.050 verurteilt.

Mittlerweile nehmen auch Anhänger der rechtsextremen ungarischen Partei Jobbik offen an den Pegida Demonstration teil. Vor Ort trugen Sie das Symbol der Partei und die inoffizielle ungarische Nationalflagge. In Ungarn gilt die Partei als antisemitisch, homophob und antiziganistisch. Seit Anfang 2015 gibt es in München einen Ableger der Partei, der sich als sogenannter „Jobbik-Freundeskreis“ bezeichnet. Angeführt wird dieser von Mihály M., der an der Pegida Demonstration teilnahm.

11.04.16 München - Pegida München, Mihály M.
Rechts: Mihály M. (Jobbik-Freundeskreis)

Die Demonstration verlief in dieser Woche entlang der Ludwigstraße zum Siegestor und zurück. Schon auf dem Hinweg gab es eine Blockade auf der gesamten Breite der Straße, die von der Polizei nach mehrmaliger Aufforderung in Teilen geräumt wurde. Pegida skandierte während der Demonstration Sprechchöre wie „Antifa Hurensöhne“, und der verurteilte Rechtsterrorist Thomas Schatt (Der III. Weg) lief einige Zeit am Fronttransparent mit. Auf dem Rückweg wurde die Ludwigstraße erneut blockiert, was die Polizei erneut durch das Wegtragen und -ziehen einzelner Demonstrant*innen löste.

Danach sprach bei der Pegida Kundgebung wieder einmal Heinz Meyer, der eine rassistische Aussage von Serge Boret Bokwango zitierte. Dieser ist der ständige Vertreter des Kongo bei den Vereinten Nationen. Er bezeichnete Flüchtlinge wohl in einem Brief als „Abschaum und Müll Afrikas“. Meyer macht sich das Zitat zu Eigen und setzte zusätzlich die Anmerkung „die natürlich jetzt auch zu uns rauf kommen“ in das Original Zitat ein. Gleichzeitig zeigt Meyer damit erneut sein wahres Gesicht, denn allein die Auswahl des Zitats ist wohl aussagekräftig genug.

„Das ist jetzt ein Zitat von Serge Boret Bokwango. Das ist der ständige Vertreter des Kongo bei der UN. Und der hat wörtlich gesagt: „Jene Afrikaner, die ich jetzt in Italien sehe,“ die natürlich jetzt auch zu uns rauf kommen [Anmerkung von Heinz M.] „sind der Abschaum und Müll Afrikas.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Das ist jetzt nicht von mir oder meine Meinung. Ich hab jetzt nur zitiert und zwar den Vertreter des Kongo an der UN. Ich glaube, dem können wir voll beistimmen das was wir mittlerweile in Europa und in Deutschland erleben das entspricht dem was der Herr gesagt hat. Vielen Dank für dies klaren Worte.“

Das Originalzitat stammt aus dem Jahr 2011 und wurde von der italienischen Internetseite Julienews veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung existiert lediglich auf zahlreichen rechten Webseiten und Blogs oder ist bei seriösen Medien als Leserkommentar veröffentlicht worden. Daher ist die Überprüfung der Richtigkeit des Zitats für uns vorerst nicht möglich.

11.04.16 München - Pegida München, Heinz Meyer, Peter Meidl
Heinz Meyer (Pegida München Vorstand) im Gespräch mit Peter Meidl (ex Die Rechte KV Rosenheim)

Pegida München jetzt im bayerischen Verfassungsschutzbericht

Im diesjährigen Verfassungsschutzbericht wurde für die bayerischen Pegida Ableger eine neue Kategorie mit dem Namen „PEGIDA-Ableger mit extremistischen Bezügen“ geschaffen. Neben den Nürnberger Pegida Ablegern und Pegida Franken geht der Bericht im Besonderen auf den Verein Pegida München ein. So bestätigte sich der Verdacht, dass gegen Pegida Vorstand Heinz

Meyer Ermittlungen wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung laufen. Laut Verfassungsschutz sind Teile des Vorstandes der „rechtsextremistischen bzw. der verfassungsschutzrelevanten islamfeindlichen Szene zuzurechnen“. Dem Verein Pegida München selbst wird die „Verfolgung extremistischer Bestrebungen“ vorgeworfen.

Rolf H. (Die Freiheit) hatte es sich in dieser Woche erneut zur Aufgabe gemacht Journalist*innen zu bedrängen und mit seiner Deutschlandfahne zu attackieren. Ein Gegendemonstrant wurde offenbar von der Fahne getroffen und erstattete Anzeige. Nach der Pegida Demonstration wurde Rolf H. von der Polizei inklusive Fahne festgenommen.

11.04.16 München - Pegida München, Rolf H.
Rolf H. (Die Freiheit) bedrängte erneut Journalist*innen

Unter den Augen der Polizei gelang es den Neonazis Thomas Schatt und Petra K. erneut die Pegida Demonstration zu verlassen und die Konfrontation mit Gegendemonstrant*innen zu suchen. Erst als es zu einem Gerangel kam, schritten Bereitschaftspolizei und USK ein und kesselten die Gegendemonstration. Schatt und Petra K. sowie ein Gegendemonstrant wurden kurzzeitig festgenommen und die Personalien aufgenommen.

Zu den weiteren Teilnehmer*innen der Pegida München Demonstration zählten: Maria F. (Die Freiheit), Peter Meidl (ex Die Rechte KV Rosenheim), Maria W. (Die Freiheit, Die Rechte, Der III. Weg), Renate Werlberger (Kreisvorsitzende NPD KV München) und Stefan S. (Die Rechte Sympathisant, Pegida München Ordner).

Bildergalerie:

Ein Gedanke zu „Pegida München – Sammelbecken der Extremisten“

  1. „Gli Africani che mi capita di vedere in Italia mentre vendono di tutto e di più e si prostituiscono – continua – rappresentano l’Immondizia dell’Africa.“
    Richtig übersetzt heißt das Zitat von Serge Boret Bokwango: „Jene Afrikaner, die ich in Italien sehe, während sie alles mögliche verkaufen und sich prostituieren, verkörpern den Abfall Afrikas.“

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