Pegida München – Naziangriff am Hauptbahnhof

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Am Montag den 29. Juni sammelte sich zum 20. Mal Pegida München zum Aufmarsch gegen die angebliche „Islamisierung“ Deutschlands. Der Startpunkt war in dieser Woche in der Seidlstraße, eine Nebenstraße zum Stiglmaierplatz.

Zusätzlich zu den üblichen Rednern sprach diesmal „Ed Utrecht“, der mit echtem Namen Edwin Wagensveld heißt und zuvor bereits bei Pegida Dresden und einer Hogesa Demonstration zusammen mit Heidi Mund und Michael Stürzenberger (Die Freiheit) gesprochen hatte. Wagensveld ist Holländer und betreibt, wenn er nicht gerade auf einer Demonstration eine Rede hält, einen Webshop Der Hollander für Selbstverteidigungswaffen und sämtliche Ausrüstung, die ein Hobbysoldat so braucht. Die Redebeiträge drehten sich hauptsächlich um Themen wie „ die Islamisierung“ und„ein Stopp der Aufnahme von Flüchtlingen“.

Zu den Teilnehmer*innen der Kundgebung und der anschließenden Demonstration zählten: Birgit Weißmann (Pegida München Demo Anmelderin, Die Freiheit), Peter Meidl (Die Rechte, Kreisvorsitzender Rosenheim), Roland Wuttke (NPD-Funktionär, Der III. Weg und Die Rechte, Aktivist), Stefan S. (Die Rechte Sympathisant, Pegida München Ordner), Stefan Werner (Pro Deutschland, früher NPD), Rolf H. (Die Freiheit), Maria F. (Die Freiheit) und Reinhard Hornberger (Münchner Bezirksvorsitzender der Republikaner).

29.06.15 München - Pegida München
Pegida München Kundgebung in der Seidlstraße

Der Ton wird rauer

Immer präsenter wird das Thema „Die Antifa“ (der zahlreiche und bunte Gegenprotest), die von Pegida München immer weniger als Menschen mit einer anderen politischen Meinung sondern als direkte Gegner*innen gesehen werden.

Zu Beginn der Kundgebung war die Stimmung der Pegida Demonstrant*innen gegenüber Journalist*innen und Fotograf*innen bereits gereizt. Es kam zu Provokationen wie „Wenn du mich fotografierst, dann hast du ein Probleme!“ Den Höhepunkt erreichte die Eskalation, als zwei Fotografen und ihre Kameras mit Wasser begossen wurden (Siehe Video). Erst jetzt war die Polizei dazu bereit einzugreifen, allerdings nur in dem sie die anwesenden Pressevertreter*innen aufforderte, von einem größeren Abstand aus zu fotografieren. Dies ist dahingehend interessant, da der Einsatzleiter der Polizei zuvor einzelne Fotograf*innen aufgefordert hatte, nicht mit einem Teleobjektiv zu fotografieren, da man damit nur Portraitaufnahmen machen könnte, deren Veröffentlichung nicht immer erlaubt ist.

Naziangriff am Hauptbahnhof

Gegen Ende der Kundgebung zog eine Gruppe Antifaschist*innen in Richtung Hauptbahnhof. Es gab das Gerücht, das sich mehrere Neonazis dort versammelten, die zuvor offensichtlich einen Gegendemonstranten angegriffen hatten. Am Hauptbahnhof war zur gleichen Zeit eine andere Gruppe,  vollkommen überrascht auf die Neonazis getroffen. Drei Personen waren von mehreren stadtbekannte Neonazis brutal zusammengeschlagen worden, so dass sie ärztlich behandelt werden mussten. Die Neonazis waren in der Zwischenzeit in eine unbekannte Richtung geflüchtet. Mehrere Streifenbeamte befragten im Anschluss die Anwesenden Zeugen.

29.06.15 München - Pegida München
Gegendemonstrant*innen werden von der Polizei am Hauptbahnhof eingekesselt.

Später wurde dem RB-Team berichtet, dass den verletzten Personen von einer Anzeige abgeraten wurde, da es zu einer Gegenanzeige von Seiten der Neonazis kommen könnte. Nach einem kurzen Informationsaustausch machte sich eine Gruppe von circa 30 Antifaschist*innen auf den Weg, um nach den Täter*innen Ausschau zu halten. Die Gruppe lief durch den Hauptbahnhof und wollte anschließend am Bahnhofsvorplatz zu den Verletzten zurückkehren. Mittlerweile hatten sich auch mehrere USK Polizeieinheiten vom Stiglmaierplatz zum Hauptbahnhof bewegt und begannen damit, die Antifaschist*innen ohne Grund einzukesseln. Später wurden die besagten Neonazis nach ihrem „erfolgreichen Angriff“ in der Kneipe Fan Arena beim Bier trinken gesichtet. Die Polizei wurde auf den Aufenthaltsort hingewiesen, unternahm aber leider nichts.

Der Abend hat gezeigt, dass die Polizei legitimen Gegenprotest wohl als unangenehm empfindet und zunehmend kriminalisiert. Stadtbekannte Neonazis können am Rande der Pegida Demonstration Gegendemonstrant*innen angreifen und verletzten und können anschließend unbehelligt flüchten. Diese unterschiedliche Behandlung ist befremdlich. Einerseits klare Statements von Vertretern der Stadt und Polizei im Kampf gegen Rechtsextremismus die im konkreten Fall praktisch nicht umgesetzt werden.

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