Pegida München – Marsch zum Siegestor

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Pegida München Kundgebung am Max-Joseph-Platz.
Pegida München wird nicht müde. Montag für Montag marschieren um die 100 Teilnehmer*innen durch die Münchner Innenstadt. An diesem Montag den 21. September erneut vorbei an Orten, die in klarer Verbindung zum Nationalsozialismus stehen.

Das Verwaltungsgericht hatte die Route genehmigt und das erneute Verbot durch das KVR aufgehoben. So kam es das auch in dieser Woche Pegida München zusammen mit stadtbekannten Neonazis wie Thomas Schatt (Der III. Weg, verurteilter Rechtsterrorist) und Petra K. (Brigade Giesing) vor der Feldherrnhalle demonstrieren durfte.

Pegida München vor der Feldherrnhalle
Pegida München vor der Feldherrnhalle

Als erster Redner stellte Hartmuth Pilch ein „Best of“ der neu gesammelten Pegida München Sprechchöre vor, mit einem Rhythmusgefühl, dass an atonale Musik erinnerte. Eine kleine Auswahl soll auch unseren Lesern nicht vorenthalten werden:

  • „Sozenfrauen sind so dumm, laufen bald im Schleier rum“
  • „Medialer Hippie-Staat in Dekadenz; dich leiten Bunte Bilder und Demenz“
  • „Politikanten außer Rand und Band; verschenken für ein Selfie unser Land“

Bei jedem Sprechchor drehten sich mit Sicherheit sämtliche deutschen Dichter und Denker, auf die Pegida München sonst so Stolz ist, im Grab um.

Nach den Reden setzt sich der Pegida Aufmarsch in Bewegung, diesmal auf der Ludwigstraße in Richtung Siegestor. Die Situation wirkte chaotisch, da die Polizei mit viel zu wenig Personal vor Ort war, um die Pegida Teilnehmer*innen und Gegendemonstrant*innen zu trennen. Immer wieder wurde die Straße kurzzeitig blockiert und Pegida musste stehenbleiben.

Vor dem Siegestor kam es zu einer großen Blockade, die die Polizei nicht räumen konnte. Sie führte dann den Pegida Aufmarsch an der Blockade vorbei über den Gehweg. Am Siegestor drehte der Demozug um und lief wieder auf der Ludwigstraße entlang zum Max-Josephs-Platz, wo Pegida wie immer im abgegitterten Bereich die Abschlusskundgebung abhielt.

Blockade an der U-Bahnstation Universität durch Gegendemonstrant*innen
Blockade an der U-Bahnstation Universität durch Gegendemonstrant*innen

„Alt-Linker“ Gastredner bei Pegida München?

Als einer der Redner trat erneut Alfred R. auf. Der hatte bei den anfänglichen Pegida Demonstrationen (damals noch BAGIDA) mehrfach gesprochen und im Februar Gegendemonstrant*innen mit „16 Peitschenhiebe auf den nackten Arsch“ als Strafe gedroht. R. ist nach eigenen Angaben Gründer des Club Voltaire München 1994, nicht zu verwechseln mit dem Club Voltaire – München, der sich offiziell von R. distanziert.

R. bezeichnet sich selbst als „Alt-Linker“ und eröffnet seine Reden immer mit einem lautstarken „Hallo Links!“ Er versucht stets eine Kommunikation mit den Gegendemonstrant*innen aufzubauen, die er als „Jung-Dumm-Links“ tituliert und meint, „mit ihnen gewinne man keinen Krieg mehr“.

Im Internet treibt Alfred R. sein Unwesen mit endlosen Artikeln in Kommentarspalten bei zahlreichen großen Tageszeitungen. Der „Islamkritiker“ Michael Stürzenberger (Die Freiheit) glorifiziert ihn in einem Artikel aus dem Jahr 2014: „Er stellt zusammen mit Heinz Buschkowsky und Thilo Sarrazin eine der ganz wenigen Ausnahmen unter SPD-Mitgliedern dar, die sich kritisch mit dem Islam auseinandersetzen“.

Bei Pegida München kommt R. mit seinem Befehlston und den reißerischen Reden gut an. Er ist für die Pegida Anhänger der Beweis, dass sie nicht rechts sein können, wenn sie einen „Alt-Linken“ als Redner zulassen. Querfront pur!

Zum Abschluss machte sich ein Redner über die Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) lustig. Sie hatte ein Drehkreuz zur besseren Verteilung der Flüchtlinge während des Oktoberfestes außerhalb von München gefordert. Dabei war Sie in Tränen ausgebrochen, da sie die Lage in München sicherheitstechnisch für aussichtlos hielt. Ein gefundenes Fressen für Pegida Organisatoren, die immer, wenn der Redner vom Drehkreuz sprach, ein furchtbar schlechtes Lachen vom Band abspielten.

Was daran so lustig sein sollte, dass sich die Sozialreferentin für die Sicherheit der Münchner*innen und damit auch für die Pegida Teilnehmer*innen einsetzt, ist fraglich. Wieder ein Beweis dafür, dass sich Pegida nur oberflächlich mit den Themen befasst und jede Begebenheit für die eigene Sache ausschlachtet.

Pegida München Kundgebung am Max-Joseph-Platz
Pegida München Kundgebung am Max-Joseph-Platz.

Pegida Ordner außer Rand und Band

Abgesehen davon, dass bei Pegida München Neonazis und Funktionäre rechtsradikaler Parteien mitlaufen, sind auch die Ordner besonders kritisch zu betrachten. So stieß ein Ordner diesen Montag einen Gegendemonstranten grob zu Seite und schrie ihm hinterher: „Wir sehen uns nochmal ohne die Polizei!“. Eine klare Drohung.

Pegida München Ordner stößt Gegendemonstranten zur Seite
Pegida München Ordner stößt Gegendemonstranten zur Seite

München Nazifrei berichtete schon im April über den Pegida München Ordner (damals noch BAGIDA) Andreas N., der auf Facebook den Holocaust leugnete und offensichtlich rechtsradikale Ansichten vertritt. Ein weiterer Ordner trug im März einen Pullover mit Thor Steinar-Emblem, eine bei Rechtsradikalen beliebte Marke.

Stefan S., der bei nahezu jedem Pegida Aufmarsch als Ordner fungiert, postete schon mehrfach rassistische Äußerungen auf Facebook und nahm an einer Kundgebung der rechtsextremen Kleinstpartei Die Rechte gegen das NS-Dokumentationszentrum am 30. April teil.

Dies zeigt erneut Neonazis und Rassist*innen sind bei Pegida München nicht unerwünscht, nein sie sind teil der Pegida München Strukturen und fungieren sogar als Ordner bei den montäglichen Aufmärschen.

Zu den weiteren Teilnehmer*innen des Pegida München Aufmarschs zählten:

Ramazan S. (Brigade Giesing, Umfeld türkischer Nationalisten/Graue Wölfe), Birgit Weißmann (Pegida München Demoanmelderin), Heinz M., Stefan Werner (Pro Deutschland, früher NPD), Manfred Schiessl (NPD), Maria W. (Die Freiheit Kundgebungsteilnehmerin, Der III. WegDie Rechte), Rolf H. (Die Freiheit), Reinhard Hornberger (Bezirksvorsitzender Die Republikaner), Maria F. (Die Freiheit), Werner Z. und Renate Werlberger (NPD KV München).

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