Pegida München – Großkundgebung am Marienplatz

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Pegida München rief am 20. Juli zu einer Großkundgebung auf dem Münchener Marienplatz auf. Nach einem knappen halben Jahr Pegida in München ein erneuter Versuch, die Münchner Bürger*innen gegen die angebliche Islamisierung zu mobilisieren. Als Höhepunkt wurde der Auftritt von Pegida Gründer Lutz Bachmann angekündigt.

Schon der Aufbau für die Kundgebung der Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) am Münchner Marienplatz war für die ca. 1300 Gegendemonstrant*innen ein großes Spektakel. Die Polizei hatte einen großen Bereich mit Hamburger Gittern abgesperrt, in dem die Pegida Ordner große Holztafeln mit den 10 Dresdner Pegida Thesen aufstellten. Diese wurden jedoch gleich wieder durch den Wind und unter tosendem Applaus der Gegendemonstrant*innen umgestoßen, so dass bald jede Tafel dauerhaft durch einen Pegida Teilnehmer*innen bis zum Ende festgehalten werden musste. Dem Gegenprotest hatte sich auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, die dritte Bürgermeisterin Christine Strobl und das Bündnis München ist bunt angeschlossen.

20.07.15 München - Pegida München
In der Mitte: Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, Im Hintergrund: dritte Bürgermeisterin Christine Strobl

Unter den Kundgebungsteilnehmer*innen befanden sich mehrere Personen, die dem neonazistischen Spektrum zuzuordnen sind, darunter: Roland Wuttke (NPD-Funktionär, Der III. Weg und Die Rechte – Aktivist), Renate W. (NPD und BIA) und Peter Meidl (Die Rechte, Kreisvorsitzender Rosenheim).

Erste Rednerin war Birgit Weißmann, die seit Beginn als Anmelderin der Pegida Kundgebungen fungiert. Sie wetterte gegen die Politik, die das Volk schon lange nicht mehr vertreten würde, worauf hin die Kundgebungsteilnehmer*innen symbolisch zuvor verteilte rote Karten in Richtung des Münchner Rathauses zeigten.

20.07.15 München - Pegida München
Pegida München zeigt der Politik die rote Karte

Im Anschluss sprach Stefan Werner (Pro Deutschland, früher NPD) der zuletzt am Samstag an einer Kundgebung der Verschwörungstheorethiker der Münchner Friedensmahnwache teilgenommen hatte. Werners Rede war von völkischem Nationalismus geprägt. Er behauptete z.B., dass das deutsche Volk die tüchtigsten Arbeiter in Europa hätte. Dies könnte man ja z.B. an den Trümmerfrauen sehen, die Deutschland nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut hatten. Das diese These in der Wissenschaft mittlerweile als widerlegt und daher als Mythos gilt, ignoriert er dabei vollkommen.

Zusätzlich lobte er die Familienpolitik in Russland und Vladimir Putin. Russland hatte zuletzt eine „Hetero-Flagge“ präsentiert, die das traditionelle Familienbild und damit das genaue Gegenteil der kürzlich in den USA legalisierten Ehe für alle darstellt. Als weiterer Redner trat Heinz Meyer auf, der Teil des Pegida München Vorstandes ist. Er sprach darüber, dass er die normalen Tageszeitungen nicht mehr lesen könne, da sie nur noch Lügen verbreiten würden. Lediglich die Bild-Zeitung würde noch objektiv und im Sinne des Volkes berichten. Die Menge kommentierte dies mit lauten „Lügenpresse!, Lügenpresse!“ – Rufen. Als nächstes sprach Gernot Tegetmeyer, Pegida Nürnberg-Gründer und Die Freiheit-Generalsekretär.

20.07.15 München - Pegida München
Heinz Meyer (Teil des Pegida München Vorstandes)

An mehreren Stellen hielten Gegendemonstrant*innen große Transparente entlang der Absperrgitter, die der Polizei den Einblick in die Gegendemo verwehrten. Daraufhin drückten mehrere USK Gruppen der Polizei massiv in die Gegendemo, was vollkommen chaotisch und unkoordiniert wirkte. Zahlreiche Gegendemonstrant*innen wurden von mehreren Seiten in Richtung der Gitter gedrückt.

Im Gedränge kam es zu mehren Festnahmen, da sich Demonstrant*innen gegen die von hinten drückende Polizei zur Wehr setzten. Im abgegitterten Bereich wurde währenddessen ein Fotograf von hinten getreten und angegriffen, die Polizei griff nicht ein. Der Angreifer zählt zum Dunstkreis der Brigade Giesing um Petra K., die in den letzten Wochen schon mehrfach Gegendemonstrant*innen bei den Pegida-Aufmärschen angegangen waren.

Nach langem Warten war es dann so weit. Lutz Bachmann trat von seinem persönlichen Leibwächter begleitet auf den Kundgebungsplatz und verschwand sogleich auf dem Lautsprecherwagen. Insgesamt sprach Bachmann 10 Minuten, hauptsächlich über Seehofer und das es durchaus Gemeinsamkeiten zwischen CSU und Pegida gibt. Außerhalb des Sperrbereichs war Bachmann nicht zu hören, die 1300 Gegendemonstrant*innen pfiffen und schrien lautstark gegen die Pegida-Musikanlage an. Immer wieder flogen Eier und Farbbeutel in Richtung der Pegida Teilnehmer*innen, die einige der Holzschilder mit den „Dresdner Thesen treffen“.

20.07.15 München - Pegida München
Lutz Bachmann Pegida Gründer

Gegen Ende wurde Lutz Bachmann durch mehrere Polizeigruppen und seine eigenen Leibwächter, darunter der Pegida München Ordner Stefan S. (Die Rechte-Sympathisant) und Pegida München Vereinsvorstand Heinz Meyer durch mehrere kleine Nebenstraßen zum Auto gebracht. Nach einer kurzen Verabschiedung per Handschlag startete Meyer den Motor und fuhr mit quietschenden Reifen und Lutz Bachmann im Gepäck los. Den Pegida Ordnern schien ihre Rolle inmitten des Polizeispaliers sichtlich zu gefallen.

Während Lutz Bachmann gut beschützt zum Auto gebracht wurde, kam es am Marienplatz erneut zu einer Eskalation, bei der Rolf H. (Die Freiheit) einen Journalisten attackiert und dessen Kamera zerstörte. Rolf. H. wurde darauf hin von der Polizei festgenommen. Er hatte bereits letzten Freitag mehrere Journalisten bei einer Die Freiheit – Kundgebung mit einer Deutschlandfahne attackiert

20.07.15 München - Pegida München
Transparent der Gegendemonstranten

Insgesamt war die Großkundgebung ein Reinfall für Pegida, da nur etwa 230 Personen zur Kundgebung kamen. Die wochenlange Mobilisierung mit tausenden Flyern auf den montäglichen Demonstrationen und die Werbung mit Lutz Bachmann war nicht aufgegangen. Erschreckend ist jedoch das Pegida Woche für Woche nahezu ungestört und nur von einem kleinen Gegenprotest begleitet durch die Münchener Straßen ziehen kann. Die etablierten Parteien fühlen sich erst wieder zum Gegenprotest aufgerufen, wenn Pegida München medienwirksam vor ihrem Rathaus demonstriert. Es wäre großartig, wenn der Gegenprotest in den kommenden Wochen genau so stark wäre und Pegida dadurch endgültig von Münchens Straßen verdrängt wird.

Zusätzlich zum Gegenprotest vor dem Rathaus am Marienplatz gab es eine weitere Veranstaltung am Max-Joseph-Platz, wo ebenfalls mehrere hundert Teilnehmer*innen mit einer Tanz- und Musikdemo unter dem Mott: „Love, Beats & HappyBass: München gegen Nationalismus und Hass“ gegen Pegida München demonstrierten.

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