Pegida München – Angriffe auf Pressevertreter

Ein Erfahrungsbericht

Am 22. Juni versammelte sich erneut Pegida München, diesmal jedoch in der Nymphenburger Straße.

Während die Demonstrant*innen wie gewohnt ihre Anlage, Pavillon und Fahnen aufbauten, liefen plötzlich mehrere Polizeieinheiten des USK in Richtung Sandstraße. Uns Journalist*innen riefen sie zu: „Es gibt nichts zu sehen!“, was wir ihnen nicht glauben wollten und ihnen im Sprint hinterher liefen. Es stellte sich heraus, dass es an der Ecke Karlstraße / Denisstraße zur Konfrontation gekommen war zwischen drei Neonazis, darunter Karl-Heinz Statzberger (Der III. Weg, verurteilter Rechtsterrorist) und Petra K. (Brigade Giesing)  und Gegendemonstrant*innen. Die Polizei begann mehrere auf der Straße herum liegende Steine und Flaschen als Beweismittel einzutüten, während die Nazis zur Befragung in eine Nebenstraße gebracht wurden.

22.06.15 München - Pegida München
Die Neonazis darunter Karl Heinz Statzberger (Der III. Weg, verurteilter Rechtsterrorist) und Petra K. (Brigade Giesing) werden von der Polizei in eine Nebenstraße begleitet.

Anschließend versuchten wir erneut zurück zur Pegida Kundgebung zu gelangen. Der Zutritt zur Aufmarschstrecke und dem abgegitterten Bereich wurde uns jedoch vom dortigen Polizei-Gruppenführer verwehrt. Daher mussten wir einmal komplett um den abgesperrten Bereich zurück zum Stiglmaierplatz laufen, um letztendlich wieder zur Demo zu kommen. Pegida München war in der Zwischenzeit schon los gelaufen. An der Ecke Nymphenburgerstraße / Pappenheimstraße traf ich auf mehrere Gegendemonstrant*innen, die von der Polizei abgeführt wurden. Sie hatten versucht die Straße durch eine Sitzblockade zu blockieren um damit den Pegida Aufmarsch zu verhindern.  Derweil zog Pegida München einmal im Kreis zurück zu ihrem Startpunkt. Dort wurden wie in den letzten Wochen mehrere Reden gehalten.

Zu den Redner*innen zählten: Birgit Weißmann (Pegida München Demo Anmelderin, Die Freiheit), Maria F. (Die Freiheit), Stefan Werner (Pro Deutschland, früher NPD).

Zum Abschluss hielt Werner Z., der sonst für die Organisation und die Anlage von Pegida München zuständig ist eine Rede. Er behauptete, dass die anwesenden Journalist*innen und Fotograf*innen nur Fotos machen würden, um die Demoteilnehmer*innen zu provozieren. Werner wörtlich: „Ihr braucht keine Angst haben, dass diese Fotos irgendwo veröffentlicht werden“. Zusätzlich gestand Werner, die von NoBagidaMuc wöchentlich erstellte Karte der Pegida München-Aufmarschstrecke kopiert und mit dem Pegida Logo versehen zu haben. Eine klare Verletzung des Urheberrechtes.

22.06.15 München - Pegida München
Pegida München Kundgebung am Stiglmaierplatz

Behinderung und Bedrohung der Presse

Während der Rede stürmten mehrere Kundgebungsteilnehmer*innen, darunter Heinz M., der in der letzten Woche eine Rede gehalten hatte und Stefan S. (Die Rechte Sympathisant, Pegida München Ordner) auf mich zu und hielten ihre Hände vor das Objektiv meiner Kamera. Ich wies sie darauf hin, dass sie mich und meine Kamera nicht berühren dürfen. Daraufhin bildete sich eine Traube von Menschen um mich herum, die mich am Fotografieren hindern wollten.

Heinz rief hier mehrmals: „Deine Pressearbeit kannst du dir in den Arsch schieben!“ Erst jetzt sah sich die Polizei sichtlich genervt in der Lage, einzugreifen. Sie sah jedoch nicht die Angreifer als Störer, sondern mich. Man wollte mir vorschreiben, wie ich meine Arbeit zu machen hätte. Ein Polizeibeamter drohte mir: „Ich schick dich raus!“, während seine Kollegin die Problematik nicht verstand und ständig wiederholte: „Sind Sie bitte nicht mehr so aufdringlich“.  Von einem aufdringlichen Verhalten konnte hier jedoch keineswegs die Rede sein, da ich während der Kundgebung in einem ständigen Abstand von ca. zehn Metern um die Kundgebung herum gelaufen war.

22.06.15 München - Pegida München
Pegida München Fronttransparent. Ganz rechts außen mit Warnweste Stefan S. (Die Rechte Sympathisant, Pegida München Ordner). Ganz rechts am Transparent Heinz M. In der Mitte mit kariertem Hemd Stefan Werner (Pro Deutschland, früher NPD).

Zwischendurch setzte Rolf H. (Die Freiheit) zum Schlag in meine Richtung mit einer Deutschlandfahne an, der gerade noch von einer Polizistin durch massives Einschreiten verhindert werden konnte. Dies zeigt mal wieder, dass Pegida nicht gewaltfrei agiert und eine unabhängige Berichterstattung durch Journalist*innen und Fotograf*innen nicht zulassen will. Die Münchner Polizei schien in dieser Woche erneut überfordert und nicht in der Lage, Journalist*innen zu schützen und eine durchgehende Dokumentation der Geschehnisse zu gewährleisten. Es ist eine Farce, Pressevertreter*innen in einer Demokratie als „agent provocateur“ darzustellen, und sie damit in ihrer Arbeit zu behindern. Zum Abschluss drohte mir Peter M. (Die Rechte, Aktivist) mit folgenden Worten: „Wenn ich dich mal alleine auf der Straße treffe, dann schlag ich dich zusammen!“

Der Gegenprotest kam in dieser Woche deutlich näher an die Pegida Demonstration heran und hat gezeigt, dass es in München keinen Platz für Rassismus, Fremdenhass und Islamfeindlichkeit  gibt.

Nachtrag:

Nach Angaben von NoBagidaMuc kam es am Montag zusätzlich zu den oben beschriebenen Ereignissen zu massiver Polizeigewalt gegen Gegendemonstrant*innen, bei der Pfefferspray gegen friedliche Demonstrant*innen eingesetzt wurde und bereits am Boden liegende Personen geschlagen wurden.

Bildergalerie:

Ein Gedanke zu „Pegida München – Angriffe auf Pressevertreter“

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