Neonazis gedenken Holocaustleugner

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Wie in den letzten Jahren hielten Münchner Neonazis eine Mahnwache für den Holocaustleugner und Geschichtsrevisionisten Reinhold Elstner am 25. April ab. Rund 30 Aktivist*innen diverser rechtsextremer Parteien formierten sich in diesem Jahr mit Fackeln und Transparent am Wittelsbacher Platz.

In diesem Jahr hatten sich die Neonazis mit dem Wittelsbacher Platz einen neuen Ort für ihre Kundgebung gewählt. Dessen Lage ist besonders brisant zwischen dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus und dem Odeonsplatz. Angemeldet wurde die Kundgebung von dem neonazistischen Multiaktivisten Roland Wuttke (NPD Funktionär, Die Rechte, Der III. Weg). Thomas Schatt wollte sich anfangs nicht zu seinen Kamerad*innen ins Innere des abgesperrten Bereichs begeben. Die Polizei machte jedoch kurzen Prozess und schob ihn unsanft hinein, um eine Konfrontation mit Gegendemonstrant*innen zu verhindern. Der verurteilte Rechtsterrorist Karl-Heinz Statzberger (Der III. Weg Stützpunktleiter München) hielt das Birkenholz Kreutz, auf dem ein Wehrmacht-Stahlhelm platziert war. Neben ihm standen in einer Reihe weitere Neonazis mit Fackeln und Fahnen. Im Hintergrund zeigten mehrere Aktivist*innen ein Transparent mit der Aufschrift „Reinhold Elstner – Dein Tod ist uns Fanal“.

25.04.16 München - Reinhold Elstner Mahnwache, Karl-Heinz Statzberger
Karl-Heinz Statzberger (Der III. Weg Stützpunktleiter München) hielt auch in diesem Jahr das Birkenholz Kreuz.

Inszeniert wurde die Mahnwache von der rechtsextremen Klein-Partei Der III. Weg, die den Großteil der Teilnehmer*innen stellte und von der mehrere Fahnen zu sehen waren. Beachtenswert war vor allem, dass ein Großteil der Teilnehmer*innen in den Wochen zuvor immer wieder an den Pegida München Demonstrationen teilgenommen hatte.

Insgesamt scheint die Münchner Neonazi-Szene ihre internen Streitigkeiten beigelegt zu haben, denn nahezu alle rechtsextremen Parteien, die in München vertreten sind, nahmen an der Mahnwache teil. Die NPD war mit Renate Werlberger (Kreisvorsitzende NPD KV München) Björn-Christopher Balbin (NPD) und Manfred Sch. (NPD) vertreten. Die Rechte war mit dem stellvertretenden Münchner Kreisvorsitzenden Tobias Roidl und dem Dortmunder ex Antifa und mittlerweile Die Rechte Kader Lukas Bals anwesend.

Zu den weiteren Teilnehmer*innen zählten: Tirza M. (Der III. Weg), Walter Strohmeier (Der III. Weg Stützpunktleiter Ostbayern), Alexander D. (Der III. Weg Berchtesgadener Land) und Vince H. (Neonazistischer Multiaktivist: Die Rechte, Der III. Weg, NPD und Pegida München).

25.04.16 München - Reinhold Elstner Mahnwache
Rund 100 Gegendemonstrant*innen demonstrierten gegen die Mahnwache.

Ein Antisemit wird zum Held stilisiert

Reinhold Elstner hatte sich 1995 auf den Stufen der Feldherrnhalle aus Protest gegen die Wehrmachtsausstellung selbst in Brand gesetzt. Die Wehrmachtsaustellung verbildlichte die Verbrechen der Wehrmacht während der Zeit des Nationalsozialismus und hob damit den Mythos auf, der „einfache Deutsche Soldat“ hätte nichts vom Holocaust und Vernichtungskrieg gewusst. Deutschlandweit liefen Rechtsextremisten gegen die Ausstellung Sturm. Es kam zu Kundgebungen, Aufmärschen und Anschlägen. Dennoch wurde die erste Fassung der Ausstellung in 34 Städten gezeigt und von mehr als 900.000 Menschen besucht. Elstner, selbst Wehrmachtssoldat, hinterließ ein antisemitisches Hetz-Pamphlet, in dem er den Holocaust und die Verbrechen der Wehrmacht leugnete.

Die Abreise der Neonazis verlief nicht wie geplant. Am Odeonsplatz gerieten die Teilnehmer*innen der Mahnwache in einen Streit mit der Polizei, die sie nicht in Richtung Marienplatz laufen lassen wollte. Es folgte ein mehrfaches Rauf-und-Runter-Laufen der U-Bahnabgänge, bis die Polizei sie schlussendlich doch ziehen lies. Lediglich Thomas Schatt wurde aus unbekannten Gründen festgenommen. Die Situation schien so, als tanzten die Neonazis der Münchner Polizei auf der Nase herum.

Bereits im letzten Jahr berichteten wir von der Mahnwache: „Neonazi-Mahnwache vor der Münchener Oper“