Münchner Mahnwachen Spezial

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Am Samstag, dem 18. Juli fand in München das „Mahnwachen Spezial“ der Münchner Mahnwache für den Frieden am Wittelsbacherplatz statt.

Die Mahnwachen für den Frieden gibt es seit Anfang 2014. Sie haben ihren Ursprung in Berlin. Die Initiative geriet schnell in Verruf, nachdem mehrfach Neurechte, Verschwörungstheorethiker*innen und Antisemit*innen als Redner auftraten. Zum „Mahnwachen Spezial“ war auch die Band Die Bandbreite aufgetreten, die sich selbst als „Politpopband“ bezeichnet. Ihr wird vorgeworfen, in ihren Texten verschwörungstheoretische, sexistische, homophobe, sekundär antisemitische und antiamerikanische Positionen zu vertreten, was die Band stets mit „Das haben wir anders gemeint.“ oder „Das ist Satire“ abwiegelt.

Den Mahnwachler*innen stellten sich etwa 30 Gegendemonstrant*innen entgegen. Mit Israelfahnen und Aluhüten protestierten sie gegen die Verschwörungstheorien und den Antisemitismus der Mahnwachler*innen.

18.07.15 München - Mahnwachen Spezial
Im Hintergrund: Hendra Kremzow und Marcel Wojnarowicz (Sänger von Die Bandbereite)

Querfront pur

Der erste Redner der Kundgebung schrie anfangs mehrfach in Richtung der Gegendemonstrant*innen, man wäre doch zum Dialog bereit, denn sie wären ja auch Antifaschisten. Gegen Ende der Kundgebung behauptete derselbe Redner, die Gegendemonstrant*innen wären „rechte Antifaschisten“. Ein weiterer Redner präsentierte zahlreiche Verschwörungstheorien. Unter anderem behauptete er, Deutschland wäre immer noch von den Amerikanern besetzt und daher kein souveränes Land. Die Anschläge am 11. September auf das World Trade Center wären in Wahrheit von den Amerikanern selbst verübt worden.

Als eine Journalistin des Bayerischen Rundfunks Wojna (Marcel Wojnarowicz), den Sänger von Die Bandbereite, zu den sexistischen Texten befragte, behauptete dieser, sie würden diese Texte schon lange nicht mehr bei Auftritten spielen. Die Nachfrage, ob er denn mit den Texten noch Geld verdienen würde, bejahte er. In Zukunft würden Sie das Geld aber für einen guten Zweck spenden.

Unter den Teilnehmer*innen der Kundgebung waren auch 2 Anhänger von Pegida München, darunter Stefan Werner (Pro Deutschland, früher NPD), die von den Mahnwachen Teilnehmer*innen herzlich mit Handschlag begrüßt wurden. Dass Pegida München seit Wochen zusammen mit Neonazis marschiert, störte die nach eigenen Angaben „antifaschistischen Mahnwachler*innen“ recht wenig. Lediglich ein Teilnehmer sah sich nach einem langen Gespräch mit Gegendemonstranten dazu veranlasst, sich von Pegida zu distanzieren.

18.07.15 München - Mahnwachen Spezial, Marcel Wojnarowicz
Ganz Rechts: Stefan Werner (Pro Deutschland, früher NPD) Zweiter von Links: Marcel Wojnarowicz (Sänger von Die Bandbereite)

Zwischendurch kam es zu einem Gerangel zwischen einem Gegendemonstranten und einem Teilnehmer der Mahnwachen- Kundgebung. Dabei wurde der Gegendemonstrant mehrfach grob zurück gestoßen, was für eine Mahnwache für den Frieden eine seltsame Lösung von Konflikten darstellt.

Insgesamt war es erschreckend anzusehen, wie die Teilnehmer*innen der Mahnwachen Kundgebung an diesem Samstag lediglich ihre eigene „Wahrheit“ akzeptieren wollten. Gegendemonstrant*innen wurde im Dialog entweder als Lügner*innen bezeichnet oder es wurde ihnen ins Wort gefallen

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