Lebensschützer*innen ziehen durch München

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25.04.17 München - Prozession christlich fundamentalistischer Lebensschützer*innen

Am Dienstag den 25. April zog eine Gruppe christlich fundamentalistischer Lebensschützer*innen mit einem sogenannten „Vigil“ durch die Münchner Innenstadt. Außer ein wenig Verkehrschaos und verwirrt dreinblickender Passant*innen geschah nicht viel.

Um zehn Uhr sollte die von den Lebensschützer*innen als Vigil bezeichnete Gebetsprozession am St. Pauls Platz unweit der Theresienwiese beginnen. Organisiert wurde der Gebetszug von dem Verein Helfer für Gottes kostbare Kinder Deutschland e.V. Gerade einmal 15 Teilnehmer*innen konnte Wolfgang Hering  (Euro Pro Life), Organisator und Gründer des Vereins, an diesem Morgen versammeln.

Betend und singend zog die kleine Prozession durch die Innenstadt in Richtung Maxvorstadt, stets begleitet von vier Polizeiautos, die die Straßen absperrten und so für freies Geleit sorgten. Dabei wurden die entsprechenden Gebetspassagen von Wolfgang Hering über ein Funkgerät an die Teilnehmer*innen übertragen.

Vor der Pro Familia Geschäftsstelle in der Türkenstraße hielten die Lebensschützer*innen eine Zwischenkundgebung ab. Pro Familia ist ein deutschlandweites Netz von Beratungsstellen, in denen Menschen ärztliche, psychologische und soziale Beratung zu Partnerschaft und Sexualität erhalten.

Zusätzlich führt Pro Familia Schwangerschaftskonfliktberatungen durch, die nach den gesetzlichen Vorgaben vor einem Schwangerschaftsabbruch von betroffenen Personen besucht werden müssen. Während der gesamten Prozession wurden die Lebenschützer*innen von vorbeigehenden Menschen kritisch und zum Teil belustigt gemustert. Eine Frau rief ihnen zu „Was geht euch an, was Frauen mit ihrem Körper machen!“

25.04.17 München - Prozession christlich fundamentalistischer Lebensschützer*innen
Prozession der christlich fundamentalistischen Lebensschützer*innen

Gebetszüge zu „finsteren Orten“

In regelmäßigen Abständen organisiert der Verein Helfer für Gottes kostbare Kinder Deutschland e.V. Gebetsprozessionen, die sogenannten Vigilien in München. Ziel sind jeweils Beratungsstellen für Schwangerschaftsabbrüche und entsprechende Kliniken, die solche Eingriffe durchführen. Diese werden von den Lebensschützer*innen als „finstere Orte“ bezeichnet, zu denen sie mit ihrer Prozession das „Licht bringen“. Vor Ort stellen sich die Beteiligten auf dem Gehsteig auf, um gemeinsam zu beten und zu singen.

25.04.17 München - Prozession christlich fundamentalistischer Lebensschützer*innen
Zwischenkundgebung vor der Pro Familia Geschäftsstelle in der Türkenstraße

Eine Beratung, die keine ist

Zusätzlich führen die Lebenschützer*innen sogenannte „Gehsteigberatungen“ vor den Beratungsstellen und Kliniken durch. Dabei werden Personen auf der Straße vor den entsprechenden Stellen abgefangen und angesprochen. Was der Verein auf seiner Webseite harmlos als „Hilfe in letzter Sekunde“ beschreibt, ist in Wahrheit ein aggressives Bedrängen der betroffenen Personen. Auch sollen in der Vergangenheit Frauen* als „Mörderinnen“ beschimpft und nach einer Beratung verfolgt worden sein.

Von einer Anzeige bei der Polizei sehen die betroffenen Frauen* in der Regel ab aufgrund mangelnder Zeugen und der emotional belastenden Situation durch diesen massiven Eingriff in die Privatsphäre. Dazu kommt noch die Angst und Scham, die Polizei in diese höchst persönliche Entscheidung mit einbeziehen zu müssen.

Die Stadt München hatte versucht, dem Verein Helfer für Gottes kostbare Kinder Deutschland e.V. die Gehsteigberatung vor einer Klinik, in der Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden, zu verbieten. Das Verwaltungsgericht kippte im Juni 2016 das Verbot mit der Auflage, die Frauen dürften bei der „Beratung“ nicht „distanzlos und ruppig“ angesprochen werden.

1000 Kreuze Aufmärsche

Darüber hinaus führt der Verein mehrmals im Jahr „1000 Kreuze Aufmärsche“ durch. Dabei tragen die Teilnehmer*innen weiße Holzkreuze durch deutsche Großstädte, während sie gemeinsam beten und singen. Die Kreuze stehen dabei jeweils für die 1000 Kinder, die angeblich jeden Tag in Deutschland abgetrieben werden. Aufgrund der geringen Geburtenrate in Europa sprechen die Lebensschützer*innen auch von einem „sterbenden Kontinent“.

1000 Kreuze Marsch in München am 09.05.15
Archivbild: 1000 Kreuze Marsch in München am 09.05.15

Außerdem sind sie Verfechter des „Post-Abortion-Syndrom“, das sind psychische Symptome, die angeblich als Folge von einem Schwangerschaftsabbruch auftreten können. Für diese Theorie gibt es jedoch keinen wissenschaftlichen Nachweis. Unter anderem sprechen sie durch ihr diffuses Weltbild  Frauen* das Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper ab und versuchen Ihnen bei der persönlichen Entscheidung, für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch, ins Gewissen zu reden.

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