Journalist bei „Freiheit für Palästina“ Kundgebung attackiert

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29.07.17 München - "Freiheit für Palästina" Kundgebung
Die Palästinensische Gemeinde München e.V. organisierte am 29. Juli eine „Kundgebung für die Al-Aqsa-Moschee und das palästinensische Volk“ in der Münchner Fußgängerzone. Ein Aktivist versuchte einem Journalisten seine Kamera zu entreißen, während andere ihn von hinten attackierten.

Die Kundgebung mit knapp unter 100 Teilnehmer*innen wirkte streng hierarchisch organisiert. Ordner positionierten die Kundgebungsteilnehmer*innen mit Fahnen im Halbkreis und drückten Kindern Luftballons mit der Aufschrift „Freiheit für Palästina“ in die Hand. Parolen wie „Sind die Menschen taub und stumm, Israel bringt Kinder um“ und „Freiheit Palästina“ wurden über einen Lautsprecher vorgegeben und von der Menge nachgerufen.

29.07.17 München - "Freiheit für Palästina" Kundgebung
Die „Freiheit für Palästina“ Kundgebung in der Münchner Fußgängerzone

Gleichzeitig heizte ein Redner die Stimmung weiter an. Den „Palästinensern wäre die Heimat geraubt worden“ und der Nahostkonflikt sei „einer der grausamsten und schlimmsten Konflikte der Weltgeschichte“. Die „Verfolgung der Palästinenser“ gleiche der „Judenverfolgung im dritten Reich“, denn „was Israel vollführt ist reinster Völkermord“. Zusätzlich säßen tausende Palästinenser „unschuldig in israelischen Gefängnissen“, die „Konzentrationslagern ähneln“ würden.

29.07.17 München - "Freiheit für Palästina" Kundgebung
Hauptredner der „Freiheit für Palästina“ Kundgebung

Auf vor Ort verteilten Flyern forderten die Aktivist*innen einen „Boykott aller israelischen Erzeugnisse“, „die Ächtung und Isolierung des zionistischen Staates“, „keine Militär- und Wirtschaftshilfe an Israel“ und „Kein Tourismus nach Israel“. Ein Teilnehmer der Kundgebung trug eine Fahne der MHP, der rechtsextremen türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung. Deren Mitglieder werden als Graue Wölfe bezeichnet und in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet. Vereinzelt zeigten Teilnehmer*innen den „Wolfsgruß“, das Symbol der Grauen Wölfe, und schwenkten türkische Fahnen.

Attentat am Tempelberg

Grund für die Kundgebung war die Abriegelung der Zugänge zur Al-Aqsa-Moschee und dem Tempelberg im Osten Jerusalems durch die israelische Regierung nach einem Attentat auf zwei Polizisten. Die Attentäter waren in Richtung Tempelberg geflüchtet und wurden dort von israelischen Polizisten getötet. Es handelte sich um einen der schwersten Zwischenfälle in der Jerusalemer Altstadt seit Jahren. Metalldetektoren sollten die Zugänge zum Tempelberg sichern und ähnliche Vorfälle in Zukunft verhindern. Diese wurden nach massiven Protesten und Ausschreitungen der „arabischen Bevölkerung“ dann aber wieder entfernt. Die Al-Aqsa-Moschee gilt als die drittwichtigste Moschee des Islam. Zu den Freitagsgebeten kommen zehntausende Menschen auf den Tempelberg.

29.07.17 München - "Freiheit für Palästina" Kundgebung
Aktivisten der „Freiheit für Palästina“ Kundgebung stellten sich direkt vor die Gegendemonstrant*innen

Gegenprotest und Attacke auf Journalisten

Drei Personen demonstrierten am Rande der Demonstration friedlich mit einer Israel-Fahne gegen die Kundgebung. Schnell wurden sie von Aktivist*innen der Kundgebung entdeckt und umkreist. Diese verdeckten die Israel-Fahne und stellten sich Sprechchöre schreiend direkt vor die kleine Gruppe. Die „Freiheit für Palästina“ Kundgebung erstreckte sich nun über die gesamte Breite der Fußgängerzone.

Es kam zu hitzigen Diskussionen zwischen beiden Gruppen, die sich plötzlich zu einem Handgemenge entwickelten. Ein Teilnehmer der Kundgebung war auf einen Opponenten zugestürmt und schien diesen offensichtlich zu bedrohen. Dieser wich daraufhin mit erhobenen Händen nach hinten zurück. Der Fotojournalist Michael T. (24mmjournalism) dokumentierte die Situation mit seiner Kamera und wurde wenige Sekunden später vom selben Kundgebungsteilnehmer attackiert.

Der Mann versuchte ihm seine Kamera zu entreißen, während andere T. umzingelten und Ihn von hinten angriffen. Eine weitere Eskalation konnte nur durch zwei herbeieilende Zivilbeamt*innen verhindert werden. Diese forderten Verstärkung an und nahmen die Personalien der Beteiligten auf. Warum nicht schon früher uniformierte Polizeikräfte bei der Versammlung anwesend waren bleibt unklar.