Gedenken an die Anschlagsopfer in Ankara

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10.10.15 München - Gedenken an die Anschlagsopfer in Ankara
An diesem Samstag den 10. Oktober versammelten sich ca. 300 Kurd*innen und Freund*innen am Karlsplatz Stachus in München, um den Opfern des Terroranschlags in der türkischen Hauptstadt Ankara zu gedenken.

Bei einem Bombenanschlag auf einer Friedensdemo waren am Samstagmorgen mindestens 97 Menschen gestorben und mehr als 500 verletzt worden. Die regierungskritische Demokratische Partei der Völker (HDP) hatte zum Protest gegen die Konflikte zwischen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der türkischen Regierung aufgerufen. Über die Herkunft und die Motive der beiden Täter ist bislang nichts bekannt.

Nach dem Anschlag war es nach Angaben eines Kundgebungs-Redners zu chaotischen Szenen gekommen. Menschen, die den Verletzten helfen wollten, wurden von der Polizei mit Tränengas beschossen. Die Kundgebung wurde mit einem Flashmob eröffnet, bei dem sich Mitglieder der kurdischen Jugend München auf den Boden legten, um die Opfer in Ankara zu symbolisieren. Eine Öffentlichkeitswirksame Aktion, denn viele Passant*innen blieben stehen und hörten den Reden zu. Danach wurde den Opfern mit einer Schweigeminute gedacht. Insgesamt war es trotz des traurigen Anlasses eine schöne und imposante Kundgebung. Doch voreilige Schlüsse und Verurteilungen sind jetzt nicht angebracht. Es gilt die offiziellen Ermittlungen abzuwarten und nicht die Konflikte in der Türkei weiter anzufeuern.

10.10.15 München - Gedenken an die Anschlagsopfer in Ankara
Kurdischer Flashmob am Karlsplatz Stachus in München

Warum flammen die Konflikte in der Türkei immer wieder auf?

In der Türkei tobt seit Wochen ein blutiger Konflikt. Mitglieder und Wahlbüros der pro – kurdischen Partei HDP werden von türkischen Nationalisten angegriffen. Der Türkische Ministerpräsident Erdogan unterbindet die Ausschreitungen nur zaghaft, denn bald kommt es zu Neuwahlen, bei denen er unbedingt eine 2/3 Mehrheit erreichen möchte. Dadurch könnte er die Verfassung ändern und seine Macht als Ministerpräsident weiter ausbauen. Doch die HDP, die bei der letzten Parlamentswahl im Juni 13,1 % der Stimmen erhielt, könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen und die Mehrheit verhindern.

Zusätzlich attackiert die türkische Armee seit Wochen Stellungen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Nordirak unter dem Deckmantel, man kämpfe gegen den IS. Die PKK reagiert darauf mit Terroranschlägen gegen die türkische Armee und Ordnungsbehörden. Mittlerweile wurden tausende kurdische Politiker*innen der Partei HDP festgenommen, was die Stimmung weiter anheizt.

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