Der montägliche Pegida München-Wahnsinn

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Erneut demonstrierte Pegida München vor der Feldherrnhalle am Odeonsplatz. Rund 250 Teilnehmer*innen waren gekommen, um wie jeden Montag gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ zu demonstrieren.

Heinz M. (Pegida München Vorstand) zeigte wieder mehrere Bilder über eine Videoleinwand. Darunter ein Aufruf, in dem Pegida dem Bundestagsabgeordneten eine Zahlung von 10.000 € verspricht, der einen Misstrauensvotum gegen Angela Merkel beantragt, der dann im Anschluss zur Amtsenthebung führt. An diesem populistischen Aufruf zeigt sich wieder einmal das Demokratieverständnis des Münchner Pegida Vorstandes. Abgesehen davon, dass wahrscheinlich nie ein Bundestagsabgeordneter auf das Angebot eingehen würde, so ist es ein Versuch, Politiker*innen zu bestechen, um den eigenen Willen durchzusetzen.

Pegida München Angela Merkel
(Archivbild 18.01.16)

Weiter behauptetet Heinz M., ein Flüchtling aus dem Landkreis Rostock würde 1004,50 € Sozialleistungen erhalten. Die zuständige Behörde hatte zu diesem Zeitpunkt den Sachverhalt längst richtiggestellt, denn es handelt sich nicht um einen einzelnen Flüchtling, der das Geld erhalten sollte, sondern um eine Bedarfsgemeinschaft von vier Personen.

Im Anschluss zeigte Pegida ein Video des niederländischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders VPRO, der die Ereignisse der Silvesternacht in Köln auf geschmacklose Weise kritisiert. So werden einerseits die Frauen, die Opfer der sexuellen Übergriffe wurden, symbolisch als „Schlampen Barbies“ bezeichnet. Andererseits macht man sich über die Aussage der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker lustig. Diese hatte auf die Frage wie sich Frauen besser vor sexuellen Übergriffen schützen können geraten, immer eine Armlänge Abstand zu Fremden zu halten. Während Pegida München sich in den letzten Wochen noch angeblich für die Rechte der Frau aussprach, folgte nun dieses sexistische Video. Wieder Einmal ist Pegida auf den Zug aufgesprungen und hat die Silvesterübergriffe populistisch ausgeschlachtet. Doch das eigentliche Ziel, Frauen besser vor sexuellen Übergriffen zu schützen verfehlt Pegida mit dem Video klar.

Die rechtsextreme Identitäre Bewegung scheint bei Pegida München eine immer größere Rolle zu spielen. So liefen diesmal mehrere Aktivisten mit einem Identitären Transparent direkt an der Spitze des Pegida Aufmarschs und konnten ihre eigenen Parolen anstimmen. Schon länger laufen Unterstützer*innen der Identitären Bewegung bei Pegida München mit, verteilen dort ihre Flyer und mobilisieren für ihre eigenen Demonstrationen. Bei ihrer letzten eigenen Demo in Freilassing am 09.01.16 waren auch zahlreiche Pegida München Aktivist*innen anwesend.

Identitäre Bewegung Pegida München
Demonstranten der Identitären Bewegung direkt neben dem Pegida München Fronttransparent

Die Demonstration verlief dieses Mal direkt durch die Innenstadt und somit über den Marienplatz und das Isartor. Einen großen Teil der Route hatte die Polizei wie immer mit Hamburger Gittern abgesperrt. Dennoch versuchten Gegendemonstrant*innen immer wieder den Pegida Aufmarsch zu blockieren, was jedoch nicht gelang.

Bei der Abschlusskundgebung sprach seit längerem mal wieder die Rednerin „Doro“, die, wie schon öfter in der Vergangenheit, durch ihre radikale Wortwahl auffiel. So bezeichnete sie den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) als „eine Schande von und für Menschen“ und die Vizepräsidentin des deutschen Bundestages, Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen), als „versifft“.

Geflüchtete nannte sie zusätzlich „freilaufende Wilde“ und äußerte wörtlich: „Wir werden von wilden, absolut nicht zu unserer Kultur passenden Horden kolonialisiert.“ Beides klare rassistische Aussagen. Geflüchteten vorzuwerfen sie würden Deutschland kolonialisieren und eine Migration aggressiv erzwingen entspricht nicht der Realität und ist purer Populismus.

Auch an den Medien lies „Doro“ in gewohnter Weise kein gutes Wort. So wurden Journalist*innnen als „Schmierenschreiberlinge, Schmierenpresse und Lohnschreiberlinge“ bezeichnet.

25.01.15 Pegida München
Pegida München Demonstrant*innen am Odeonsplatz

Rufe und Drohungen wie „Linkes Gezeter 9 mm“ und „Frei sozial und national“ wie in der letzten Woche blieben diesmal aus.

Der montägliche Pegida München-Wahnsinn wird mittlerweile zur Normalität. Montag für Montag sucht sich Pegida aktuelle tagespolitische Themen heraus, um diese dann sexistisch, rassistisch, populistisch, homophob oder antisemitisch zu kommentieren und auszuschlachten. Zwar ist stets die Anzahl der Gegendemonstrant*innen größer als die der Pegida Teilnehmer*innen, so richtig erfolgreich sind die Gegenproteste aber nur an geschichtsträchtigen Terminen oder Orten. Doch wir bleiben dran und berichten weiter, auch vom nächsten montägliche Wahnsinn.

Siehe auch:  Chronik 2015: Rechte Umtriebe bei PEGIDA München

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