Antisemitismus bei Pegida Bayern

Recherche und Analyse

Zur Bebilderung eines „Artikels“ verwendet Pegida Bayern eine Fotomontage des Plakats zum Film „Der Untergang“ mit dem Titel „Die letzten Tage der Bundesregierung – Der Untergang“. Anstelle von Adolf Hitler prangt Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Mitte des Plakats.

Auf der Schirmmütze wurde der Reichsadler und das Hakenkreuz durch das „Auge der Vorsehung“ und einen Davidstern ersetzt. Das Auge der Vorsehung wird von Verschwörungstheoretikern als Symbol der Freimaurer oder Illuminaten gesehen. Sie vermuten dahinter eine globale Verschwörung.

Pegida Bayern (mittlerweile Bayern ist FREI) deutet mit der Symbolik auf eine Verschwörungstheorie hin, die in Pegida-nahen Kreisen eine immer größere Bedeutung erlangt. Es wird behauptet, Angela Merkel sei eine Jüdin, die Deutschland im Auftrag geheimer Kräfte in den Abgrund stürzen würde.

Abgesehen von dem ekelhaften Hitler – Merkel – Vergleich, verwendet Pegida Bayern mit dem Bild antisemitische Codes und spielt damit auf eine angebliche jüdische Weltverschwörung an.

Im dazugehörigen Beitrag behauptet Pegida Bayern dann auch noch, Heinz Meyer (Pegida München Vorstand) hätte bei der Pegida Veranstaltung am 19.10.15 nie Goebbels mit den Worten „Wollt ihr den totalen Krieg!“ zitiert und Angela Merkel mit Hitler verglichen. Er ist jedoch dafür in der letzten Woche zu einer Geldstrafe von 2100€ verurteilt worden.

Nachtrag: Montag 29. Februar

Nachdem die Kollegen von 24mmjournalism und das RB Team über das verwendete Bild und dessen Interpretation berichteten, entfernte Pegida Bayern das Bild und rechtfertigte sich in einem Statement. Dabei tritt Pegida Bayern in das nächste Fettnäpfchen und verwendet erneut eine antisemitische Formulierung.

„Für uns ist es, wie auch unsere Verhaltensregeln sagen, völlig unwichtig, welche unbekannten Mächte im Hintergrund vielleicht Fäden ziehen.“

Mit der Formulierung „vielleicht“ schließt Pegida Bayern die Theorie einer jüdischen Weltverschwörung bewusst nicht aus und nutzt mit der Behauptung, „unbekannte Mächte würden im Hintergrund Fäden ziehen“ wiederum eine Formulierung, die antisemitisch konnotiert ist.

Weiter heißt es im Statement:

„Selbst wenn man vermutet, dass Angela Merkel ähnlich wie Henryk Broder stark durch polnisch-jüdische Wurzeln geprägt sei und dass dies etwas erkläre, ergibt es keinen Sinn, die entsprechende Symbolik auf eine Mütze zu montieren. Okkulte Mächte setzen ihre Symbole per Definition nicht sichtbar auf Mützen.“

Pegida Bayern hält weiter an der Behauptung fest, Angela Merkel hätte jüdische Wurzeln. Zusätzlich versucht man die im Bild verwendet Symbolik herunter zu spielen, die angeblich „keinen Sinn ergibt“.

Dem muss entschieden widersprochen werden, denn die verwendeten antisemitischen Codes werden von Verschwörungstheorethiker und Rechtsextremisten klar als solche erkannt. Sie fühlen sich durch Pegida in ihrem wirren Weltbild bestätigt und nehmen dann an den Pegida München Demonstrationen teil. Pegida gibt jedoch zu, man hätte vor der Veröffentlichung „nicht genau hingeschaut“.

Wie weit Pegida München tatsächlich von antisemitischen Verschwörungstheorien entfernt ist zeigte sich am 02.11.15, als ein Redner einen Zeit Artikel aus dem Kontext riss, und so unter tosendem Applaus die „Protokolle der Weisen von Zion“ und die jüdische Weltverschwörung propagierte.

Hätte Pegida Bayern jedoch wirklich mit antisemitischer Rhetorik und Bebilderung brechen wollen, so hätte man das Bild einfach komplett weglassen können. Denn was bleibt, ist der immer noch bestehende geschmacklose Merkel – Hitler Vergleich.

Ein Gedanke zu „Antisemitismus bei Pegida Bayern“

Kommentare sind geschlossen.