Antifaschist*innen stören Reformationsjubiläum

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29.06.17 München - Reformationsjubiläum
Die Evangelische Kirche feierte am 29. Juni das 500. Jubiläum der Reformation auf dem Odeonsplatz in München mit einem Festakt. Neben einem Bühnenprogramm mit Musik und einer Podiumsdiskussion sprachen Vertreter der Stadt und Politik, wie Alt-OB Christian Ude (SPD), Peter Gauweiler (CSU) und Bürgermeister Josef Schmid (CSU). Mit einem Transparent protestierten Aktivist*innen gegen die Jubiläumsfeier und den Antisemiten Luther.

Im Jahr 1517 soll Martin Luther seine 95 Thesen gegen die Ablasspraxis an die Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen haben. Dieses Ereignis, auch wenn es nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen wahrscheinlich nie so stattgefunden hat, markierte den Beginn der Reformation in Deutschland.

In den folgenden Jahren veröffentlichte Luther drei reformatorische Hauptschriften, die den Zerfall des christlichen Abendlandes in mehrere Konfessionen zur Folge hatten. Nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 durften Fürsten frei über die jeweilige Konfession in ihren Ländereien entscheiden. Ihren Höhepunkt erreichten die Spannungen zwischen Protestanten und Katholiken 1618 mit dem Ausbruch des dreißigjährigen Krieges.

29.06.17 München - Reformationsjubiläum
Die Feier zum Reformationsjubiläum auf dem Odeonsplatz

Luther und die „Juden“

Besonders in seinen späten Schriften bediente Luther antisemitische Klischees und lies seinem Judenhass und seinen Vernichtungsphantasien freien Lauf. Er warf den „Juden“ vor, sie seien ein „geldgieriges Volk“, wären faul, rachsüchtig, würden Ritualmorde begehen und unterstellte ihnen Brunnen zu vergiften. Damit lieferte Luther die Basis für antisemitische Stereotype, die bis heute verbreitet sind. In seiner dritten „Judenschrift“ mit dem Titel: „Von den Juden und ihren Lügen“ gab Luther seinen Anhänger*innen sieben Ratschläge wie mit den „Juden“ zu verfahren sei.

  • „…dass man ihre Synagoga oder Schule mit Feuer anstecke…“
  • „…dass man auch ihre Häuser desgleichen abbreche oder zerstöre…“
  • „…dass man ihnen nehme all ihre Betbüchlein…“
  • „…dass man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren…
  • „…dass man ihnen Geleit und Straße ganz und gar aufhebe…“
  • „…dass man ihnen nehme alle Barschaft und Kleinod an Silber und Gold und lege es beiseite zum Verwahren…“
  • „…dass man ihnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Spaten, Rocken, Spindel und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nasen.“

Luthers antijudaistische Texte lieferten eine Grundlage für den späteren europäischen Antisemitismus. Diese Grundstimmung griffen die Nationalsozialisten auf und brachten sie in ihrem Vernichtungsantisemitismus zu einem grausamen Höhepunkt. So ist es kein Wunder, dass der Nationalsozialist und Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes „Der Stürmer“, Julius Streicher, während der Nürnberger Prozesse verlauten lies, dass Luther „heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank säße“.

Aktivist*innen entrollen Transparent

Auf das antisemitische Vermächtnis Luthers wollten einige Aktivist*innen auch bei der Jubiläumsfeier der Reformation in München aufmerksam machen. Während Christian Ude auf der Bühne zur „Toleranz der Religionen“ aufrief, entrollten Aktivist*innen ein Transparent mit der Aufschrift „Martin Luther – 500 Jahre Antisemitismus – Kein Grund zum Feiern!“.

Gleichzeitig wurden an Besucher*innen der Feierlichkeiten Flyer verteilt, in denen die Beweggründe der Aktivist*innen erklärt werden. Das Reformationsjahr würde lediglich zur „Verehrung der Person Martin Luther verwendet“, ohne jedoch seinen Judenhass und Sexismus zu thematisieren. Weiter fordern sie: „Es wird Zeit für eine deutliche Kritik, die das öffentliche Mythos eines ‚barmherzigen Reformators’ zerstört und eine zeitgemäße Debatte fördert.“ Nach kurzer Zeit drängten die Veranstalter*innen die Aktivist*innen wütend zur Seite. Eine Kritik an Luthers Antisemitismus schien nicht erwünscht.

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Ein Gedanke zu „Antifaschist*innen stören Reformationsjubiläum“

  1. Gute, richtige, wichtige und couragierte Aktion!

    Leider interessiert es weder die Politik noch die Kirchen, sich ihrer Verantwortung zu stellen, und dem Rassisten und Volksverhetzer Luther den ihm gebührenden Platz in der Geschichte zuzuweisen. Er hat zu Lebzeiten Pogrome angeregt und die Obrigkeit zur Vernichtung des Judentums aufgefordert.

    Wer das nicht glaubt, kann in der Neuedition seiner Hetzschriften nachschlagen (im Alibri-Verlag), die erstmals in verständliches Deutsch übertragen wurden. Luthers Texte sind derart widerwärtig, dass sich jeder Kirchenvertreter und jeder Politiker, der an seiner Verherrlichung beteiligt ist, verschämt in die hinterste Ecke verkriechen müsste.

    Hier zeigt sich, dass noch viel aufzuklären ist, um die Wurzeln des Antisemitismus im Land des Holocaust aufzuarbeiten. Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass nicht nur viele heutige Politiker und Kirchenfürsten Anhänger Luthers sind, sondern dass es z.B. auch A. Hitler war, der von Luther als „einem Riesen“ sprach. Doch wir dürfen weder die Täter noch deren geistige Brandstifter feiern. NIEMALS!!!

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