AfD Landesvorsitzender auf Konfrontation

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Zu dem Vortrag „AFD aufhalten!“ des Fachjournalisten Robert Andreasch am 29. Juni kündigte sich der bayerische AfD Landesvorsitzende Petr Bystron an. Vor Ort erschien er mit dem einschlägig bekannten Neonazi Lukas Bals und dem Aktivisten des Bündnis Deutscher Patrioten (BDP) Rick W.

Mit den Worten „Könnte amüsant werden. Wer kommt mit?“rief Petr Bystron seine Anhänger*innen über seine Facebook Seite dazu auf, am Abend den Vortrag von Robert Andreasch im eine Welt Haus zu besuchen.

Bystron tauchte kurz bevor Beginn des Vortrags vor dem Tor zum Innenhof des eine Welt Hauses auf. Begleitet wurde er von Rick W. (BDP, Pegida München Ordner), Lukas Bals (Identitäre Bewegung, Die Rechte) und einer dritten Person. Mehrere Antifaschist*innen versperrten den Zutritt zum Gelände, es kam zu einer kleinen Rangelei, die sich jedoch schnell wieder beruhigte. Bystron und seine Begleiter wurden danach mehrmals von den Veranstalter*innen darauf hingewiesen, dass sie bei dem Vortrag nicht erwünscht seien.

Lediglich die gerufene Polizei konnte die Gruppe letzten Endes davon überzeugen, dass auch für Sie der Einlassvorbehalt galt. Zusätzlich erschien der Pegida München Redner Alfred Röck (Club Voltaire 1994), der mit seinen „Hallo Links!“-Rufen für großes Gelächter sorgte. Im Anschluss begaben sich Bystron, Bals und W. in das gegenüberliegende Gasthaus Zur Festwiese.

Verbindungen zwischen AfD, BDP und Identitärer Bewegung

Rick W. ist Teil der Patriotischen Alternative Bayern um das Pegida München Vorstandsmitglied Birgit Weißmann. Die Organisation trat zum ersten Mal beim diesjährigen Kyffhäuser-Treffen des rechten AfD-Flügels auf, das von Björn Höcke (Vors. AfD-Fraktion Thüringer Landtag) initiiert worden war. In der Vergangenheit war W. bei zahlreichen AfD Veranstaltungen und Demonstrationen anwesend.

Am 13. Februar hatte er versucht an einer Veranstaltung der AfD in Augsburg teilzunehmen, bei der er jedoch zusammen mit einer Gruppe von rund 15 Personen abgewiesen wurde. Mehrere Mitglieder der Personengruppe gehörten offensichtlich der Neonaziszene an, was an Aufnähern in Form einer Reichskriegsflagge und einem Pullover mit schwarzer Sonne und SS-Totenkopf zu erkennen war. Zu der Gruppe gehörten zusätzlich Petra K. (Brigade Giesing, Der III. Weg) und die Pegida Ordner und BDP Aktivisten Stefan S., Sven W. und Michael M.

In Geretsried am 12. März war Rick W. mit mehren BDP Aktivist*innen bei der AfD Kundgebung „Das Oberland steht auf“ vor Ort und bewegte sich im Umfeld der Identitären Bewegung. Er behinderte Journalist*innen mehrfach am Arbeiten, in dem er die Kameralinsen verdeckte, darunter auch die des Journalisten Robert Andreasch.

12.03.16 Geretsried - AfD Kundgebung

Zusätzlich trat an dem Tag auch Petr Bystron als Redner auf, der die rechtsextreme Identitäre Bewegung „ausdrücklich“ begrüßte. In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk nimmt Bystron zum Vorfall Stellung und bezeichnete die Identitäre Bewegung als “Folklore Gruppe“, die er damals lediglich aufgrund ihrer Tracht begrüßt hätte.

„Ich begrüße hier ausdrücklich die Jugend, die Identitäre Jugend, die noch weiß was Heimat bedeutet“ Petr Bystron, Geretsried 12.03.16

 

In der Mitte Petr Bystron (AfD Landesvorsitzender)
In der Mitte Petr Bystron (AfD Landesvorsitzender)

Der Gründer des Bündnis Deutscher Patrioten, Chris Ares, trat in Geretsried als musikalische Begleitung für die AfD Veranstaltung auf. Regelmäßig posieren BDP Aktivist*innen mit Fahnen der Identitären Bewegung und skandieren die gleichen Parolen bei Kundgebungen und Demonstrationen. Die Verbindungen zwischen BDP und der Identitären Bewegung sind daher mittlerweile als fließend zu betrachten.

Am 13 Mai hielt die AfD im Münchner Hofbräukeller eine Veranstaltung mit Frauke Petry ab. Auch hier erschien Rick W. zusammen mit Chris Ares und posierte vor Beginn der Veranstaltung im Eingangsbereich gleich neben der Brigade Giesing Aktivistin Petra K. Zusätzlich nahm W. an der AfD Kundgebung am 16. April am Odeonsplatz in München teil, bei der auch Petr Bystron sprach und sich zahlreiche BDP Aktivist*innen im Publikum befanden.

Im Vordergrund Rick W. (Pegida München Ordner, BDP). Dahinter Chris Ares (BDP), Nick B. (BDP, Pegida München) und Petra K. (Brigade Giesing, Der III. Weg).
Im Vordergrund Rick W. (Pegida München Ordner, BDP). Dahinter Chris Ares (BDP), Nick B. (BDP, Pegida München) und Petra K. (Brigade Giesing, Der III. Weg).

Verbindungen zwischen Lukas Bals und Rick W.

Am 16. Juni störten Rick W., Lukas Bals und weitere BDP Aktivisten darunter Nick B. (BDP, Pegida München), Stefan S. (Pegida München Ordner, BDP) zusammen mit Mitgliedern der Junge Alternative eine Kundgebung gegen die Zulassung der AfD Hochschulgruppe Campus Alternative an der Ludwig-Maximilians-Universität. Auch hier reisten alle Personen gleichzeitig an, was zeigt, wie BDP Aktivisten und Junge Alternative Mitglieder gemeinsame Sache machen.

In der Mitte Lukas Bals als Pegida München Ordner
In der Mitte Lukas Bals als Pegida München Ordner

Der ehemalige Antifaschist Bals lief 2012 zur Neonazi-Szene über. Bekannt wurde dies durch einen brutalen Überfall auf Antifaschist*innen, an dem er beteiligt war. 2014 hatte Bals am Kommunalwahlabend mit weiteren Die Rechte Aktivist*innen versucht, das Dortmunder Rathaus zu stürmen. Dabei schlug er einer Piratenpolitikerin mit der Faust ins Gesicht und wurde zu einer Geldstrafe von 3.050 Euro verurteilt.

Seit April 2016 nahm Bals mehrfach an Pegida München Veranstaltungen teil und wurde dort zusätzlich als Ordner eingesetzt. Neonazistischem Gedankengut hat Bals keinesfalls abgeschworen, so nahm er am 25. April an einer Gedenkkundgebung für den Holocaustleugner und Geschichtsrevisionisten Reinhold Elstner am Münchner Wittelbacherplatz teil.

Lukas Bals bei der Reinhold Elstner Mahnwache
Lukas Bals bei der Reinhold Elstner Mahnwache

Nach eigenen Angaben ist er mittlerweile nicht mehr bei der Partei Die Rechte, sondern jetzt bei der Identitären Bewegung aktiv. Dazu passt, dass Bals am 19. Juni während einer Menschenkette „gegen Rassismus und für Menschenrechte und Vielfalt“ Flyer der Identitären Bewegung in der Münchner Fußgängerzone verteilte.

Petr Bystron bestreitet bis heute, gemeinsam mit den anderen drei Personen vor dem eine Welt Haus erschienen zu sein. Mehrere Augenzeug*innen berichten jedoch das Gegenteil. Lediglich Rick W. will Bystron bereits zuvor auf AfD Veranstaltungen getroffen haben. Seinem öffentlichen Image scheint der Vorfall vor dem eine Welt Haus jedoch nicht geschadet zu haben, den Bystron durfte am Samstag, dem 2. Juli beim „Münchner Anti-Rassismus-Tag“ als Redner sprechen.

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